Die beiden zogen die Stiefel aus und gingen barfuß.

Die Füße versanken tief im warmen Sand; sie wurden nach dem Druck der engen Stiefel angenehm erfrischt. Der Sand schob sich zwischen die Zehen, rieb aber den Fuß nicht, sondern schien ihn im Gegenteil zu liebkosen.

„Famos,“ rief Ssanin voll Freude.

Die Sonne strahlte immer stärker und stärker.

Vor ihnen stiegen ferne Dünste auf, alles schien sich blau und durchsichtig aufzulösen. An den Telegraphenpfählen, die neben den Gleisen einer Bahn plötzlich über ihren Weg liefen, sang der Draht, darauf saßen Schwalben und zwitscherten kokett zu ihnen herab. Ein Zug mit blauen, gelben und grünen Waggons sauste über die Böschung. An den Fenstern und auf den Plattformen sahen sie verschlafene, zerdrückte Gesichter; er tauchte auf und verschwand. Auf der hintersten Plattform standen zwei Mädchen in hellen Hüten, mit frischen neckischen Gesichtern, die der Morgenwind angeregt hatte. Mit ihren Augen begleiteten sie unverwandt die fröhlichen barfüßigen Männer. Ssanin lächelte ihnen zu und tanzte ein paar Walzerpas auf dem Sande, daß seine nackten Fersen in der Sonne aufglänzten.

Sie kamen an einer Wiese vorbei, wo das Gras feucht und dicht war; es war ebenso angenehm und vergnüglich, sie mit bloßen Füßen zu durchlaufen.

„Wunderschön,“ sagte Iwanow.

„Tatsache, es liegt gar keine Notwendigkeit vor, zu sterben,“ gab Ssanin zurück.

Iwanow warf ihm einen Seitenblick zu; es schien ihm, daß sich Ssanin bei diesen Worten Sarudins erinnern müßte, obgleich bereits einige Zeit seit der Beerdigung Sarudins vergangen war. Aber Ssanin erinnerte sich offenbar an nichts; das berührte Iwanow zwar eigentümlich, gefiel ihm aber trotzdem.

Hinter der Wiese setzte wieder die Landstraße ein, wieder mit Wagen, Bauern und lachenden Weibern überfüllt. Dann kamen Bäume und Schilf, das unter Sonnenstrahlen glänzende Wasser wurde sichtbar und endlich der Klosterberg, von dem wie ein goldener Stern das Kreuz herabstrahlte.