„Schmeiße doch nicht mit solchem Blödsinn um dich, wie dieser Swaroschitsch. Gab dir Gott ein Auge, so hast du nicht nötig, es auszureißen.“
Iwanow zuckte lächelnd die Achseln.
„Also Bruder,“ — Ssanin steuerte das Boot zum Ufer, „wenn du beim Anblick einer nackten Frau gar keine Erregung empfändest, dann wärst du wirklich ein keuscher Mensch. Und ich wäre der erste, der deine Keuschheit bewunderte. Zwar würde ich es dir nicht nachmachen, wahrscheinlich sogar würde ich dich ins Irrenhaus bringen. Aber solange in dir noch all die Triebe vorhanden sind und nach außen drängen und du sie dann nur gewaltsam wie einen Hund an der Kette zurückhalten mußt, dann ist deine ganze Keuschheit keinen Pfifferling wert.“
„Das stimmt schon. Aber wenn ein Mensch sich nicht selbst zurückhalten wollte, so könnte man unter Umständen recht viel Unheil anrichten.“
„Was für Unheil? Wenn auch die Wollust mitunter Böses mit sich bringt, so ist sie gewiß nicht selbst, für sich, daran schuld.“
„Richtig, richtig, erkläre nicht erst weiter.“
„Nun, also gehn wir!“
„War ich denn dagegen? ...“
„Ein Dummkopf bist du. Tritt doch leiser auf,“ sagte Ssanin lächelnd.
Sie schlichen fast auf dem Bauch über das duftende Gras hinweg und schoben das rauschende Schilf mit den Händen vor sich auseinander.