„Nein, bei Gott, es geht nicht! Vielleicht komme ich später noch zu Ihnen heran,“ wiederholte Jurii, mehr und mehr in seinen überreizten Ton verfallend. Ihm kam diese freundschaftliche Aufdringlichkeit unangebracht und taktlos vor.

„Nun gut,“ Iwanow, der nichts bemerkt hatte, ließ ihn los. „Also werden wir Sie erwarten. Kommen Sie doch!“

„Schön, schön ...“

Sie gingen aus der Umfriedung fort, sie lachten, schlenkerten mit den Armen; dann wurde es rings herum wieder ehrfurchtsvoll still wie bei einem Gebet. Jurii nahm die Mütze ab und trat mit einer Mischung von Spott und Schüchternheit in die Kirche.

Gleich nachdem er eine der dunklen Kolonnen umbogen hatte, sah er in der Dämmerung Karssawina in ihrem grauen Jackett und einem runden Strohhut, der ihr das Aussehen einer Gymnasiastin gab, vor sich auftauchen. Das Herz zitterte ihm, und dieses Zittern war dem Erschrecken eines Vogels und dem Beben einer Katze vor dem Sprung gleichermaßen ähnlich. Alles an ihr erschien ihm so reizvoll, daß er es auf der Zunge als angenehmen Geschmack zu verspüren glaubte; ihr Jackett, wie der Hut und die schwarzen Haare, die auf dem Nacken in einer Spirale verschlungen waren. Das gab ihr das Aussehen einer Gymnasiastin; bei einem so reifen, erwachsenen Mädchen wirkte es fast rührend.

Sie fühlte Juriis Nähe, sah sich um und ihre schwarzen Augen spiegelten, trotzdem sie bescheiden ernst blieben, in ihren Tiefen die erschrockene Freude wieder.

„Guten Tag,“ sagte er mit gedämpfter und doch zu lauter Stimme, im Augenblick unschlüssig, ob es sich hier schicke, ihr die Hand zu reichen oder nicht. Die benachbarten Beterinnen blickten sich nach ihnen um und verwirrten Jurii mit ihren dunklen pergamentfarbenen Gesichtern noch mehr.

Er errötete. Karssawina, die seine Verlegenheit gleichsam mitfühlte, kam ihm mit mütterlichem Gefühl zu Hilfe. Sie lächelte ganz leise und drohte ihm zärtlich mit verliebten Augen.

Jurii war selig und wurde mäuschenstill.

Sie schaute nicht mehr auf ihn und bekreuzigte sich oft, aber Jurii wußte während der ganzen Zeit, daß sie seine Nähe empfand. Diese ungreifbaren Regungen spannten zwischen sie ein geheimes elastisches Band ein, welches das Herz schlagen und ersterben ließ, und alles um sie geheimnisvoll und wunderbar veränderte.