Mit tiefster Freude erinnerte sie sich dabei an die unbegreiflich hinreißende Empfindung, die von ihr Besitz genommen hatte, als sie sich zum ersten Mal Jurii unterwarf.
— — — Mein Liebster, es zog sie heiß und ermattend in Gedanken zu ihm. Wieder sah Ssanin, wie ihre Wimpern zuckten und ihre rosigen Lippen lächelten.
Der abscheulich rohen Szene, die später vorgefallen war, gedachte sie garnicht mehr. Irgend eine geheime Bewegung riß sie immer wieder aus der Ecke heraus, in der wie ein dünner Splitter eine krankhaft verletzte Ratlosigkeit stecken geblieben war.
Es wurde gegen die Zimmertür geklopft.
„Wer ist da?“ fragte Karssawina den Kopf erhebend.
„Ich bringe einen Brief,“ piepste die Stimme des Knaben hinter der Tür. Karssawina warf ein großes Tuch um, und der barfüßige Knabe bis an die Knie mit Schmutz bespritzt, trat herein; er riß eilig die Mütze vom Kopf.
„Das Fräulein haben ihn Ihnen zugeschickt,“ sagte er.
Dubowa schrieb an Karssawina:
„Sinotschka, wenn es Dir irgend möglich ist, so komme noch heute in die Stadt zurück. Der Schulinspektor ist angekommen und wird morgen bei uns inspizieren. Es geht nicht gut, daß Du dann gerade fehlst.“
„Was ist denn los? ...“ fragte die alte Tante.