„Wozu? ...“ Ssanin fiel es bei ihrem Namen wieder ein, wie sie nackt ganz durchtränkt vom Licht der hellen Sonne und ihrer Jugend vor ihm am Ufer stand.
„Ich muß ihnen einen Zettel bringen,“ antwortete der Knabe.
„Aha, na, sie wird wohl im anderen Gasthaus sein. Also, mein Sohn, walle dorthin.“
Wieder klatschte der Knabe wie ein Tierchen mit den bloßen Sohlen auf den Boden und verschwand in der Finsternis so schnell, als ob er sich in den Büschen versteckt hätte.
Ssanin schritt langsam hinter ihm her und atmete mit voller Brust die Gartenluft, dicht wie Honig, ein.
Er trat an dem Gasthaus dicht unter das beleuchtete Fenster heran und ein Streifen Licht legte sich über sein nachdenkliches und ruhiges Gesicht. Im Licht waren unter dem grünen Laub große schwere Birnen sichtbar. Ssanin erhob sich auf die Zehenspitzen und pflückte eine; im Fenster sah er Karssawina.
Sie stand im Profil, im Hemd; über ihre runden Schultern glitten Lichtstupfen wie Atlasblenden.
Ganz in Gedanken versunken, blickte sie unverwandt nach unten auf den Boden. Wahrscheinlich erregte sie das, woran sie dachte, mit Scham und Freude; denn ihre Augenlider zitterten und ihre Lippen lächelten. Dieses Lächeln erstaunte Ssanin. Eine unfaßbare Zärtlichkeit und Leidenschaft bebte darin, als lächelte das Mädchen einem nahen Kusse entgegen.
Er stand und schaute auf sie hin, ein Gefühl, das stärker war als er selbst, hatte ihn ergriffen. Karssawina dachte darüber nach, was mit ihr geschehen war, es war ihr qualvoll, niederdrückend und süß ums Herz.
— — — Mein Gott, fragte sie sich mit einer reinen Empfindung, wie sie wohl die knospenbrechende Blume ergreifen mag, bin ich denn wirklich so verdorben. — — —