Wahrscheinlich fühlte auch Ssanin diese plötzliche Flutwelle weiblicher Neugierde, denn er atmete selbst kräftiger und stärker auf. Die Ruder verwickelten sich in der engen Straße, in die das Boot langsam hineinglitt und fielen aus den Händen des Mädchens. Auch in ihrem Innern schien ganz ebenso etwas niedergefallen zu sein.
„Ich kann hier nicht weiter,“ sagte sie schuldbewußt. „Es ist zu schwer.“ Ihre Stimme klang wie zu Boden gesunken, leise und melodisch in der dunklen, schmalen Wasserenge, wo das unsichtbare Gekräusel der Wellen still für sich plätscherte.
Ssanin erhob sich und ging auf sie zu.
„Wohin wollen Sie?“ rief sie mit unerklärlichem Schrecken.
„Lassen Sie mich.“
Karssawina stand auf und wollte zum Steuer gehen. Das Boot schwankte, als ob es unter den Füßen fortgleiten wollte. Sie mußte sich unwillkürlich an Ssanin anklammern, wobei sie mit ihrer elastischen Brust stark gegen ihn stieß. In diesem Augenblick, in dem ihr selbst nichts bewußt wurde, in dem sie nichts glaubte und nichts mehr erriet, hielt sie selber diese Berührung an und verstärkte sie noch, als müßte sie sich im Fluge an ihn anschmiegen. Und so fing er in einer Sekunde mit seiner ganzen Person den märchenhaften Zauber der Nähe einer Frau in sich auf. Sie verstand sein Gefühl in der Fülle ihres Wesens, empfand die ganze Stärke seiner Erregung und wurde daran trunken, bevor sie begriffen hatte, was sie tat.
... Ahaaaaa, riß es sich erstaunt und entzückt durch Ssanins Brust; schmerzhaft und leidenschaftlich umarmte er sie, so daß sie sich hinten übergebeugt fast in der Luft befand und instinktiv nach dem fallenden Hut und der Frisur griff. Das Boot schwankte noch stärker, und die unsichtbaren Wellen stieben mit aufgewirbeltem Lärmen an die Ufer.
„Was tun Sie? ...“ schrie sie schwach auf. „Lassen Sie mich. Um Gotteswillen, was tun Sie? ...“ Sie flüsterte atemlos, während sie sich nach kurzem, lautlosen Schweigen aus seinen stählernen Armen reißen wollte.
Aber kräftig, ihre weiche Brust fast zerquetschend, preßte Ssanin das Mädchen an sich ... ihr wurde schwül, alles, was zwischen ihnen als Scheidewand stand, war mit einem Mal irgendwohin versunken.
Ringsherum war Stille, würziger Geruch von Wasser und Gräsern, eigentümliche Kälte und Glut und Schweigen. Plötzlich senkten sich ihre Arme, sie fühlte sich selbst von einer völligen Willenlosigkeit überwunden, lag ohne etwas zu sehen oder wahrzunehmen am Boden und gab sich dem fremden männlichen Willen und seiner Stärke mit brennenden Schmerzen und taumelndem Genusse hin.