Da sagte ihr Ssanin mit besonders rührender Bitte: „Gedenken Sie meiner nicht böse! Sie sind ebenso herrlich wie Sie stets waren ... Dem Mann, den Sie lieben, werden Sie dasselbe Glück geben können, das Sie mir gegeben haben ... Nein, noch ein größeres, viel größeres ... Wahrhaftig ... ich wünsche für Sie nichts anderes, als das Allerbeste, das Allerzarteste ... Immer werde ich Sie so in meinem Gedächtnis haben, ... wie ... gestern. Leben Sie wohl ... und wenn ich einmal irgend etwas für Sie tun kann, so ... ich bitte Sie, sagen Sie es ... ich würde Ihnen ja gerne mein Leben geben, wenn es Ihnen nur nützen könnte ...“
Ganz leise blickte ihn Karssawina an; es tat ihr um etwas leid.
... Aber vielleicht geht alles vorüber ... ging es durch ihren Kopf. Im Augenblick schien alles nicht mehr so entsetzlich und schwierig. Eine Minute lang schauten sie einander in die Augen und aus dem Innern ihrer Herzen trat ein gutes, tiefes Gefühl. Es verband sie, als ob sie beide mit einem Mal verwandt und nahe wären, und etwas erfahren hatten, das kein anderer außer ihnen wissen durfte, und das in ihren Seelen immer als zarte, warme Erinnerung bleiben würde.
„Nun leben Sie wohl,“ sprach Karssawina mit mädchenhafter Stimme.
Freude und Zärtlichkeit durchströmte Ssanins Gesicht.
Sie reichte ihm die Hand, doch alles kam so, daß sie sich plötzlich einfach und warm wie Geschwister geküßt hatten. Als Ssanin fortging, begleitete sie ihn bis an das Tor und sah ihm lange und nachdenklich nach. Dann ging sie still in den Garten zurück und legte sich auf das Gras, die Hände unter dem Kopf. Das verdörrende aber noch immer duftige Gras knisterte um sie und sie starb fast ab, ohne Gedanken, ohne Empfindungen, mit geschlossenen Augen. In ihr ging etwas Neues vor. Wenn es geendet hatte, dann mußte sich wieder das alte fröhliche offne Mädchen, vor der das Leben seine schönsten und glücklichsten Seiten auftun wird, erheben.
Zähes Nachsinnen darüber, ob sie Jurii das Vorgefallene erzählen sollte oder nicht, kam ihr in den Kopf und brachte neues Entsetzen und frische Scham mit sich, aber sie sagte sich sofort: Ich werde nicht darüber nachdenken, ... ich werde es nicht ... Alles mag von selbst kommen.
Und wieder verfiel sie in den Zustand schlaffer Erwartung.