In einem Augenblick stand dieser ungewöhnlich geheimnisvolle Wald vor ihm, die tiefe bewegungslose Finsternis unter den Bäumen, das sonderbare Licht des Mondes, der weiße kühle Körper des Mädchens, ihre geschlossene Augen, der betäubende aufregende Geruch, das gierige Verlangen, das ihm den Kopf bis zur Tollheit benahm.
Die Erinnerung durchlief seinen Körper mit schwerem, wollüstigen Zittern. Irgend etwas stach anhaltend in seiner Schläfe und preßte sein Herz zusammen. Voll überflüssiger Einzelheiten schienen daraus die Bilder der Szene aufzusteigen, wie er das Mädchen, ohne daß ihn die innere Erregung betäubend fortgerissen hätte, auf den Boden niederdrückte; — sie wehrte sich dagegen, stieß ihn zurück, riß sich los, bis er schließlich einsah, daß er selbst gar nichts tun mochte, nichts von ihr wollte; und dennoch warf er sich immer von neuem auf sie.
Jurii schauderte unter diesem Nachsinnen in allen Nerven; das Tageslicht steigerte die Verachtung vor sich. Am liebsten hätte er sich ins Dunkel verkrochen, sich in die Erde eingegraben, — um seine Schande selbst nicht zu sehen. Doch schon im nächsten Augenblick suchte er sich zu überzeugen, daß all das nicht deshalb so häßlich verlief, weil er einen mächtigen Trieb der Leidenschaft verunstaltet und herabgewürdigt hatte, sondern weil er eine Minute lang nahe daran gewesen, eine Vereinigung mit dem Mädchen gewaltsam erzwingen zu wollen.
Da drehte er mit furchtbarer, fast physischer Anstrengung, als wenn er einen Menschen, der viel stärker ist, als er, überwinden müßte, sein Gefühl einfach um. Und jetzt fand er seine Handlungsweise plötzlich in dieser Form berechtigt und notwendig.
Doch eine neue, viel drückendere Frage schob sich jetzt ein ... Was ist weiter zu tun? ...
Aus dem Chaos der verschiedensten Gedanken und Wünsche, kristallisierte sich allmählich der eine: Alles zerreißen!
Sie hinnehmen und an ihr Freude haben! Doch sie dann wegwerfen, das kann ich nicht ... ich bin nicht solch ein Mensch ... Fremde Leiden gehen mir zu nahe, als daß ich andern welche zufügen könnte. Und sie heiraten? ...
Dieses Wort klang Jurii ungewöhnlich platt. Er, mit seiner besonderen, ganz eigenartigen Veranlagung, die ewig an der Grenze großer Gedanken und erhabener Schmerzen schwankte, kann sich nun einmal nicht ein Philisterglück mit Frau, Kindern und Wirtschaft zurechtbauen. Er errötete sogar bei dieser Vorstellung, als ob ihn schon die Annahme eines solchen Ausweges verletzen müßte.
— — — Also sie von sich stoßen, einfach fortgehen ...
Doch ihr Bild schien ihm jetzt, während es sich allmählich von ihm entfernte, als das höchste Glück. Es glitt unwiederbringlich aus den Händen; — — die Entsagung zerriß sein Herz. Hinter ihr schleiften zuckende Sehnen und rissen sich mit bluttriefenden Fetzen ab. Um ihn schwand das Licht, seine Seele hing leer und schwer; sein Körper selbst erschlaffte.