Ssanin war inzwischen durch den Saal gegangen; an der Balkontür, von wo er bekannte Stimmen hörte, blieb er stehen.
„Was willst du also von mir?“ klang die Stimme Lydas zu ihm herüber; er war von ihrem matten, gequälten Ton überrascht.
„Nichts will ich,“ erwiderte Nowikow, seine Stimme hörte sich offenbar gegen seinen Willen, mürrisch und verdrießlich an, „es kommt mir nur komisch vor, daß du die Sache so ansiehst, als wenn du mir ein Opfer bringst. Ich wollte doch ...“
„Schön,“ brach es aus Lyda heraus. Die kristallenen Töne naher Tränen drangen unerwartet durch die Stille der Abenddämmerung: „Nicht ich ... du bringst mir also das Opfer ... du! Ich weiß es! Was willst du also noch hören?“
Nowikow gab einen verwirrten und ratlosen „Hm“-Laut von sich; man konnte aber herausmerken, daß er sich Mühe gab, seine Ratlosigkeit zu verbergen.
„Wie wenig scheinst du mich zu verstehen! Ich liebe dich, und daher kann von einem Opfer keine Rede sein ... Aber wenn du selbst unser Zusammensein als ein Opfer von einem von uns beiden ansiehst, welch ein Leben soll dann für uns werden?“
Nowikows Stimme wurde fester und sicherer, fast froher, als hätte er jetzt das Wichtigste herausgefunden und wäre glücklich, Lyda überzeugen zu können.
„Du mußt es begreifen ... Wir können nur unter einer Bedingung zusammenleben: daß an kein Opfer, weder von deiner, noch von meiner Seite zu denken ist ... Eins von beiden: entweder wir lieben uns, und dann ist unsere Zusammengehörigkeit vernünftig und naturgemäß, oder wir lieben uns nicht, und dann ...“
Lyda schluchzte plötzlich auf.
„Was weinst du!“ fragte Nowikow erstaunt und erregt. „Ich verstehe dich nicht! Ich glaube, — — ich kann doch nichts Verletzendes gesagt haben ... Höre doch auf! Ich hatte uns beide ganz gleich im Auge ... Aber das ist doch zum Teufel! Was weinst du eigentlich! ... Man darf sich kein Wort erlauben —“