III
Es war dunkel geworden, als die Spaziergänger endlich zurückkehrten. Schon aus der Tiefe des Gartens, der in der Dämmerung weich versunken lag, vernahm man ihre hellen, belebten Stimmen.
Die lustige, erregte Lyda lief Maria Iwanowna in die Arme. Auf ihr lag noch der frische Duft des Flusses. Und mit ihm hatte sich jener reizvolle Hauch schöner, junger Mädchen verbunden, welche bis zur äußersten Spannung von liebenswürdigen, jungen Männern, die sie selbst in gierige Stimmung versetzt haben, erregt sind.
„Abendbrot machen, Mütterchen, Abendbrot machen,“ sie zupfte Maria Iwanowna zärtlich an den Ohrläppchen. „Und inzwischen wird uns Viktor Sergejewitsch etwas vorspielen.“
Maria Iwanowna ging, um das Abendbrot anzuordnen und dachte dabei, daß das Schicksal eines so interessanten und ihr so klaren Wesens wie Lydas nicht anders als glücklich sein könne.
Sarudin und Tanarow gingen in den Saal ans Klavier und Lyda ließ sich in dem Schaukelstuhl nieder, der auf dem Balkon stand; geschmeidig streckte und reckte sie ihre Glieder.
Nowikow schritt schweigend auf den knarrenden Dielen des Balkons auf und ab und betrachtete von der Seite ihr Gesicht, ihre hohe Brust und die schlanken Füße, die in schwarzen Strümpfen und gelben Schuhen steckten. Sie aber bemerkte weder seine Blicke noch ihn selbst, ganz hingerissen von dem mächtigen und zauberhaften Eindruck der ersten Leidenschaft. Sie schloß die Augen und lächelte rätselhaft in sich hinein.
In der Seele Nowikows ging der alte Kampf vor sich.
Er liebte Lyda, aber er konnte sich nicht in ihr zurechtfinden. Manchmal glaubte er, daß auch sie ihn liebe; — dann wieder kam ihm dieser Gedanke ganz ungeheuerlich vor. In Augenblicken, in denen er sich ihrer Liebe sicher fühlte, schien es ihm sehr wahrscheinlich, ja selbstverständlich, daß ihm einst ihr schlanker Körper in seiner jungen Reinheit angehören würde. Sobald jedoch in ihm Zweifel aufstiegen, ob sie ihn jemals lieben könne, empfand er die gleichen Gedanken als schamlos und gemein, und wenn er sich dann bei sinnlichen Vorstellungen ertappte, nannte er sich einen niedrigen, schmutzigen Menschen, der Lydas nicht wert sei.