... wir sind eben zusammengetroffen und ich bin mit ihm mitgelaufen, dachte sie, und mit schmerzlicher Wollust wiederholte sie sich das Wort „mitgelaufen“ ... Ich wollte es und darum gab ich mich ihm hin. Aber doch wurde ich glücklich; es war ja so ... es wurde ihr unmöglich, diese Gedankenreihe zu Ende zu führen.

Lyda schrak zusammen und reckte sich, indem sie die geballten Hände nach vorn streckte. Dann strich sie mit den geöffneten Handflächen durch die Luft, als wenn sie alles von sich fortschieben wollte.

Mit Ueberwindung trat sie vom Fenster zurück und begann sich zu entkleiden; sie löste mechanisch die Bänder der Röcke und ließ sie gleich dort, wo sie stand, zur Erde fallen.

— — — Warum auch nicht, dachte sie, das Leben ist nun einmal so.

Sie erschauerte unter dem frischen Luftzug, der weich ihre Schultern berührte.

— — — Was hätte ich gewonnen, wenn ich wirklich die legitime Ehe abwartete. Was kann sie viel für mich sein. Es ist ja im Grunde ganz gleichgültig. Ich bin dumm, daß ich dem, was geschah, irgend eine Bedeutung beimesse ... Dummheiten!

Am Ende dieser Gedanken schien ihr wirklich, daß es sich nur um Kleinlichkeiten handle. Vom nächsten Tage an würde alle Unruhe ein Ende haben; sie hatte in diesem Spiel gewonnen, sie war jetzt frei wie ein Vogel.

Gefällt es mir, so lieb ich ihn,

Und hab ich’s satt, so ist’s vorbei.

Und dem Klange ihrer Stimme lauschend, dachte sie mit Vergnügen, daß sie doch viel besser singe, als Karssawina.