„Hol ihn der Teufel,“ rief Jurii mit einer Erbitterung, die ihm völlig unverständlich war; er erinnerte sich plötzlich der Worte Semionows. Dann fuhr er fort: „Was erreicht man mit dem allem? ... Man wird weiter rauben, hinrichten und Gewalttätigkeiten begehen. Mit Artikeln ist da gar nichts zu machen; es tut mir leid, daß ich ihn überhaupt geschrieben habe. Was ist nun schon? ... Einige Idioten werden ihn lesen. Welchen Zweck hat das? ... Und schließlich, was geht es mich an. Weswegen soll ich mit dem Kopf die Wände einrennen?“

Vor den Augen Juriis zogen die ersten Jahre seiner Parteitätigkeit vorüber. Die geheimen Zusammenkünfte, die Propaganda, die Gefahr und die Mißerfolge, der heiße Enthusiasmus und die völlige Apathie gerade jener Schichten, für die er kämpfen wollte. Er ging im Zimmer auf und ab und machte eine wegwerfende Handbewegung.

Nowikow brauste plötzlich auf.

„Von dem Standpunkt aus lohnte es sich überhaupt nicht, irgend was zu tun.“ Und sich Ssanins erinnernd, fügte er hinzu: „Egoisten seid ihr alle! Weiter nichts.“

„Ja, es verlohnt sich in Wirklichkeit nicht, etwas zu tun,“ setzte Jurii zu sprechen ein; er befand sich plötzlich, unter dem Einfluß der gleichen Erinnerung und der matten Dämmerung, die schon ganz sachte alles im Zimmer zum Erblassen brachte, in einer glühenden, aufrichtigen Stimmung. Während er fortfuhr, schien er sich immer mehr zu erregen:

„Wollen wir wirklich über die Menschheit sprechen, so sage, was bedeuten denn alle unsere Bemühungen. Diese Konstitutionen, diese Revolutionen, — und wir können uns doch noch nicht einmal annähernd die Perspektive vorstellen, die die Menschheit in der Zukunft entlang laufen wird. Vielleicht, vielleicht liegen gerade in der Freiheit, von der wir träumen, die ersten Keime der Zersetzung? Vielleicht, nachdem der Mensch sein Ideal erreicht haben wird, geht es wieder mit ihm rückwärts, und schließlich läuft er von neuem auf allen Vieren ... Und dann wird die ganze Geschichte von vorne anfangen. Oder denkt man auch nur an sich selber. Sage doch,“ — schrie er plötzlich schmerzlich auf, — „was kann ich im allerbesten Fall erreichen? ... Natürlich, ich kann mit meinen Talenten und Taten, wenn alles gut geht, Ruhm einsammeln. Ich kann mich an der Ehrerbietung von allerlei Volk besaufen ... Sehr schön, von solchen, die noch niedriger stehen, als ich, also gerade die, welche ich noch nicht einmal achten kann. Deren Anerkennung mir in der Wirklichkeit nicht einen Pfifferling wert sein sollte. Und so ... leben, leben bis zum Ende! ... Weiter nichts! Und war ich noch so bedeutend, — am Ende wird mir der Lorbeerkranz an den kahlen Schädel wachsen, daß es mir nur Ekel hervorruft.“

„So? ... Vor dir selbst? ...“ fragte Nowikow mit gemachtem Spott, völlig unklar, warum er eigentlich fragte und woher ihm die Lust zum Spotten kam.

Aber Jurii achtete garnicht darauf. Er fuhr, voll Trauer in seinen Worten, fort, zu reden, ohne zu merken, mit welcher Befriedigung er ihnen lauschte; sie schienen ihm prachtvoll und eindringlich und riefen in ihm ein eigensinniges, erhebendes Gefühl hervor.

„Und schlimmstenfalls bleibe ich ein unbekanntes Genie, ein lächerlicher Schwärmer, wert als Objekt für Witzblätter zu dienen, ein Mensch ohne Sinn und Verstand. Keinem zu Nutzen ...“

Nowikow fiel ihm ins Wort. Er wünschte sich seine eigenen Gedanken wegreden zu können, wenn er auch fühlte, wie zwecklos dieses Gerede war.