„Aha! — — — Niemandem nützlich, sagst du! Du merkst also selbst, das heißt, du gestehst ...“

„Welch ein komischer Kerl du bist,“ unterbrach ihn seinerseits Jurii. „Meinst du wirklich, daß ich mir nicht ganz klar bin, wofür man leben und was man glauben könnte? ... Vielleicht würde ich mich mit Freuden kreuzigen lassen, wenn ich nur wüßte, daß mein Tod die Welt retten wird. Aber so, was ich auch tun mag, an der Endsumme, die einmal die Geschichte ziehen muß, ändere ich verdammt wenig. Ach, garnichts, und der ganze Nutzen, den ich bringen kann, — — — Ihr redet ja immer vom Nutzen, — — — das ist ja alles so gering, so nichtig, — — — und wenn ich überhaupt nicht wäre, die Welt hätte keinen Jota Nachteil davon. Aber es gehört sich nun einmal so, und ich muß für diesen Wert, geringer als ein Jota, leben und leiden und qualvoll auf meinen Tod warten. — — — Als anständiger Mensch, — — —“

Es fiel Jurii garnicht auf, daß er allmählich auf ein anderes Thema übergegangen war und zuletzt nicht mehr auf Nowikows Worte antwortete, sondern zu sich selbst sprach, zu seinen eigenen, sonderbaren und unbestimmten Empfindungen. In diesem Augenblick erinnerte er sich wieder Semionows Reden über den Tod und ein kaltes, widerwärtiges Grauen lief ihm den Rücken herunter.

„Weißt du, diese Unvermeidlichkeit quält mich,“ sagte er still und vertrauensvoll, indem er mechanisch durch das dunkel gewordene Fenster schaute. „Ich weiß, daß alles ganz natürlich ist, daß es dagegen gar kein Ankämpfen gibt, — — aber doch, es ist entsetzlich und abscheulich.“

Nowikow verstand, daß in diesen Worten etwas Richtiges liegen mochte; er wurde noch trübseliger. Dennoch zwang er sich, ruhig und nüchtern zu erwidern: „Der Tod ist eine nützliche, physiologische Erscheinung.“

— — Welch ein Narr ist das, dachte wütend Jurii; aufgeregt gab er ihm zur Antwort:

„Ach mein Gott, was geht es mich im Grunde an, ob unser Tod jemandem Nutzen bringt oder nicht. Alles Unsinn!“

„Und deine Kreuzigung? ...“

„Das ist eine ganz andere Sache,“ antwortete er unentschlossen und mit einemmal ernüchtert.

„Du widersprichst dir selbst,“ bemerkte Nowikow; er fühlte seine Ueberlegenheit, war aber doch großmütig genug, Jurii in diesem Augenblick nicht anzusehen.