Nun sah sie dies: Heilig, aus nächtiger Finsterniß tauchend, die Insel, das Ziel der Pilgerschaft, die Heimath, das freie, ungetrübte Glück, Grege’s Himmelreich und das ihre.
Ausland und Fremde war ihr die weite, feste Erde gewesen, wo die Vielzuvielen und Zusammenhängenden wohnen, der dichte, drückende Schwarm der Gleichmäßigen, die traurigen Völker, verblödet im Glück des Niemalsunglücklichseins und des stumpfgewordenen Willens.
Nie, seit sie wußte, hatte sie sich Mensch mit solchen Menschen gefühlt.
Wie war das gekommen, daß sie anders war? Ein Trotz für sich und ein Widerspruch allen Anderen? Ein drohendes Aufbäumen in ihrem Fürsichsein und eine beständige Gefahr? Ein Verdacht, der zur herrischen Ueberzeugung wuchs, daß die Ordnung rings nur ein feiges Elend sei, dem ein Held erstehen müsse, der Alles
erlöse, indem er Alles aus den Fugen schlägt? Und sie die Heldin des Helden?
Wie war das gekommen?
War’s eine verborgene Erbschaft aus ihrem Stammlande Friska, die jetzt in gesammelter Kraft aus ihrem stillen Herzensschrein hervorbrach, ihre Gedanken zu feurigen Pfeilen spitzte, ihre Empfindungen mit sprengenden Elementen lud?
Oft hatte Jala nach Zeichen gesucht, sich’s zu deuten in gegenständlichen Bildern, da die erklärenden Worte versagten.
War es ihre Blindheit, darin sie das neue Sehen fand?
War das eine Deutung, daß in jener Sturmnacht des jauchzenden Frühlings, als die Reife des Weibes im Wunder der Liebe ihren Leib verwandelte, das Licht aus ihren Augen floh und die Seele so hellsichtig wurde, als schwämme sie in Blitzen?