Ausgestreckt, in seitlicher Lage, die aufeinandergepreßten Handflächen unter die linke Wange geschoben, ruhte sie am Wege, wie entseelt.

Auf ihre Schulter senkte sich, leicht wie ein Hauch, mit bebenden Flügeln ein gelber Schmetterling.

— Wenn Grege jetzt mich so fände, seine muthige Jala! dachte sie. Dann verwehte ihr Bewußtsein, bis sich’s wieder verdichtete im Traum.

Ihr lichtgraues Wanderkleid, überstaubt, hatte die Farbe des Sandbodens, ihr aschblondes Haar, in ungeordneten Locken aus der Kapuze hervorquillend, die Farbe der verdorrten Gräser und Halme.

Das Gesicht, sonst mattweiß, hatte auf der langen Wanderung in freier Luft und Sonne sich ins Bernsteinfarbige gedunkelt. Um die weichen Umrisse der Nase, des Mundes und des Kinns wie über die geschmeidige Fläche der Wange schwebte ein Lächeln der Ergebenheit jungheißer Leibeslust in den leidvollen Sieg der Seele, gemischt mit der Erinnerung an die tiefwühlenden, schauerlich-süßen Wonnen, die sie im Zauber ihrer ersten wildfreien, sich selbstbejahenden Liebe genossen.

Immer tiefer, immer inniger schien der ausgestreckt rastende Körper in den warmen Boden zu versinken, abgeflacht zu Schemen und Schatten.

Wie eine große, selige Mattigkeit war die Dämmerung

über die Welt gekommen, wie ein tiefausholendes Verschwingen in langen, lauen Rhythmen.

Am Horizonte das Meer in weingelben Streifen, veilchenblau geädert, letzte, verklingende Liebkosung aus der strahlenfeurigen Zärtlichkeit der versunkenen Sonne.

Jala sah es im Traum, ganz so. Und ihr Herz erfüllte es wie heiliger Rausch beim Kusse des Geliebten. Und wie von stummer Musik getragen, schwebte sie mit Grege im lichten Gefilde, zwischen feierlichen Sonnenblumen, um deren hohe Stengel zierliche Schlingrosen rankten, in süßen Düften die seidenweiche Luft gebadet.