Kapitel 2

Die Winde schliefen. Kein Laut in der Luft. Müdes Flimmerlicht.

Was am warmen Boden knisterte, war der feinkörnige Sand, unter Jalas Sandalen, so oft sie den Fuß hob und senkte in wachsender Ermüdung. Es waren keine Schritte mehr. Die Gelenke zitterten vor Ueberanstrengung.

Jala war heute mehr Meilen gewandert, als gestern und ehegestern, von jagender Sehnsucht gepeinigt, endlich an’s Ziel zu gelangen.

Grege, der Getreue, warum war er um Hochmittag zurückgeblieben? Bis zum Abend versprach er sie einzuholen, wenn er seine Wunde gepflegt. Jala konnte ja des Weges nicht fehlen, in der geraden Linie des übersandeten Kanales mit der leichten dünenartigen Böschung auf beiden Seiten. War das nicht seine feste Meinung?

Nun kam ihr doch der Gedanke, sie möchte irre gegangen sein. Ihr tastender Stab fühlte keinerlei Erhöhung mehr am Wege.

Jala hielt an, lauschend, den Kopf zurückgelegt, das Gesicht in der Richtung der scheidenden Sonne, die Lider tief über den blinden Augensternen. Keines

Dinges wurden ihre Sinne im Verweilen inne, außer ihrer brechenden Müdigkeit.

So beschloß sie, zu rasten, bevor volle Erschöpfung sie zwänge, und Grege’s, des Getreuen, zu harren.