Schuf es eine innige starke Freude den Lebenden? Gab es dort einen öffentlichen Geist, der über so beredte Zeugen gebot wie diese geisterfüllte Maikka? Was galten seinen Teutaleuten überhaupt die Frauen, waren sie ihnen mehr als sinnliche Werkzeugsnaturen, als minderwerthige Nebengeschöpfe? Trotz der Gleichheit?

Und wie war das Alles so geworden?

Aus dem Munde Maikkas selbst konnte er’s jetzt hören, was in der Kulturarbeit des Volkes des Weibes Kopf und Hand geschaffen.

Die Einrichtung dieser freien Volkshochschule selbst war Frauenwerk. Nicht dem Manne nachäffend, in Nachschriften und Abklatsch und Zerrbildern, sondern aus dem selbständigen, dem männlichen durchaus gleichgeachteten Wesen der Frauenseele heraus. Im Tüchtigen so tüchtig wie der Mann, im Ergötzlichen so viel reicher und zarter als er. Und nichts mit dem heimlichen bösen Blick und Blut des erzwungenen Wettbewerbs, des kämpferischen Schrankenbruchs. Alles frei, naiv, selbstverständlich. Eine Kraft, die geradaus geht, weil sie nie und nirgends gehemmt wird, die nichts verdirbt und nichts zerstört, weil sie kein willkürliches Hinderniß zu überwinden hat. Diese heitere Entfaltung im Nebeneinander vom Weiblichen und Männlichen gab allem Werk soviel reine, überschüssige Schönheit. Keine hämische Kritik vom Einen zum Andern, kein Mißtrauen, keine Bosheit — daher dieses natürliche Gedeihen zu allseitiger Freude. Eins fördert das Andere, Keines wird des Anderen Nachtheil. So belebt und hebt sich Alles in dem gleichen Geiste, wie

in dem gleichen Sonnenstrahl das Verschiedene zu Hochwuchs und Blüthe gelangt und mit seiner besonders gesegneten Art sich und die Anderen erquickt.

Ja, Nordika-Frauen haben diese Volkshochschule ersonnen und ausgeführt. Die Zurichtung des großen Gartens und die Bauwerke darin, den Unterrichtsplan und den größten Theil der Lehre — Alles dankt man ihnen. Die tüchtigsten Maurerinnen und Schreinerinnen haben den Bau aufgeführt und die phantasievollsten Malerinnen und Schnitzerinnen haben ihn mit Bildern und Zierrath geschmückt. Die Vorhänge sind von den geschicktesten Teppichweberinnen gewoben. In die Herstellung und Unterhaltung der Parkanlagen ringsum haben sich die erfindungsreichsten und emsigsten Gärtnerinnen getheilt.

Haushaltung und Hausfleiß, Musik und Malerei, dramatische Kunst und Literatur, Natur- und Kulturgeschichte werden hier von zahlreichen Lehrkräften, die ihre Probe in der Ausübung bestanden, dem lernbegierigen Volke in freier Wahl vorgetragen. Und keine Wissenspolizei bewacht die einzelnen Lehren. Der gesunde Verstand, die emsige Forschung, die praktische Anschauung und Erfahrung, die unabhängige Kritik sind ebenso viele und bessere Wächter, als irgend ein Einzelner von Amtswegen.

In Teuta hingegen, Grege mußte lachen und zürnen zugleich! In Teuta sitzt ein leberkranker Querkopf, wie dieser Minus, als „Hoheit Oberlehrer“ im „obersten Rath“ und hütet den „heiligen Wortschatz“ — und nie dürfte ein Mann oder gar ein Weib sich

beikommen lassen, gegen diese ruhmreiche Ordnung, die den Bestand und das Glück Teutas verbürgt, zu verstoßen, oder es wartet ihrer der „große Fluch“ der Verdammung zu „ewiger Verhöhnung“ beim Zarathustra-Feste!

Greges Augen schweiften über die schönen Menschengruppen, die den Park und die Halle füllten und den Worten der Meisterin Maikka lauschten. Maikka stand auf einem erhöhten Platz, vor einem großen Tisch. Sie sprach vollkommen frei, ohne Buch oder Heft, und im Eifer der Rede ging sie manchmal hin und her, bald die Hände auf dem Rücken, bald mit eindringlichen Bewegungen ihre Worte begleitend, den Kopf leis auf die Seite geneigt. Eine Bewegung gefiel Grege besonders gut. Wenn Maikka nämlich die fünf Finger der linken Hand an den Spitzen zusammendrückte und sich damit gegen die Stirn fuhr, als wollte sie sagen: Nun, liebe Leute, nehmt einmal eure fünf Sinne zusammen, damit ihr gut versteht, die Sache ist nicht so einfach. Das sah allerliebst aus. Die ersten Reihen der Zuhörer, auf losen Bänken, rückten nahe an die Sprecherin heran, die hinteren Reihen verloren sich aus der an drei Seiten offenen sechseckigen Halle in den Garten, und hier saßen die Uebrigen theils auf dem Rasen, theils auf Feldstühlen, oder sie lehnten zwanglos an den Bäumen oder sie gingen lauschend vor den dichten, grünen Bosketts auf und ab, denn die Anlage war so geschickt, daß sich kein Wort der Sprecherin verlor. Und wenn zuweilen ein Vögelein im Busch dazu zwitscherte, oder eine Zikade