von der Wiese herüber dazu zirpte, so wirkte das gesprochene Wort um so inniger und ergreifender in dieser großen, fein abgetönten Harmonie der Natur. Mag der Wind in den Wipfeln lauschen oder sausen, mag ein Wolkenschatten über die Köpfe ziehen, was macht das der in sich gefesteten Ruhe und Heiterkeit des Geistes? Kommt aber gar ein wildes Wetter und rauscht der Regen nieder, so rückt man in der Halle zusammen oder flüchtet in die Nebenräume oder unter die Zelte. Im schlimmsten Falle wird der Vortrag abgebrochen und jeder rettet sich wie er mag.

— Wie ist’s im Winter? fragte Grege, als ihm Maikka auf einem Gang über die Felder die schulischen Einrichtungen Nordikas des Weiteren erklärte.

— Der Winter ist womöglich noch köstlicher als Studierzeit. Da beziehen wir in Abtheilungen besondere Räume. Jeder Bezirk — nein, ich habe Dich doch ein wenig genarrt mit meiner Landeseintheilung in Herz, Magen, Nieren, Mund, Schlund — hast Du Hunger, sprich? — jeder Bezirk hat seine Schulkolonie und seine Volkshochschule. Im Winter wohnen wir Alle, die mit der Schule als Lehrende und Lernende zu thun haben, möglichst dicht beisammen. Also ein großes, behagliches, wissenschaftliches Familienleben. Die Mahlzeiten und Unterhaltungen sind gemeinschaftlich. Das Hauptgebäude jeder Schulkolonie enthält außer den Vortragssälen, der Turnhalle, den Bibliothek- und Lesezimmern u. s. w. auch ausreichende Wohnräume für die ständigen Schüler.

— Auch Werkstätten, Spielräume?

— Aber selbstverständlich. Sogar Schwimmbäder für die Reinigung wie zu lustigen Wasserfesten, während draußen die Welt in Eis starrt und kracht, sogar Theater und Alles, was Geist und Herz erfreut.

— Ach, Maikka, das sind für mich so neue Ideen- und Lebenskreise, daß ich meinem Kopf ordentlich zureden muß, das Alles aufzunehmen und in Ordnung zu behalten.

— Das wundert mich nicht, mein Gast. Nur Zeit nehmen und Zeit lassen, das ist das ganze Geheimniß, um mit Allem fertig zu werden. Das ist für uns in Nordika unsere beste Kunst. Wir haben immer und zu Allem Zeit. Uns plagt nie das Gefühl, daß wir Etwas versäumen. Drum leben wir auch so furchtbar lang, das heißt, das Leben kommt uns nicht kurz und zeitbeschränkt oder überladen vor.

— Eine Zwischenfrage! Du gestattest schon, Meisterin, daß ich als beflissener Schüler Alles durcheinander frage. Warum sieht man bei Euch all’ die tausend Apparate nicht, in den Häusern, an den Wänden, an den Wegen, die bei uns in Teuta auf Schritt und Tritt geräuschlos den Verkehr vermitteln und so viel Zeit sparen helfen?

— O, weil wir ohnehin Zeit genug haben. Weil wir kein Gespensterleben führen mögen, sondern überall persönlich dabei sein wollen. Weil tausend Dinge, die Euch wichtig scheinen, uns nicht im geringsten kümmern. Und so noch ein Dutzend Weilweil. Siehst Du, die Menschheit hat nie weniger Zeit gehabt, also auch nie weniger gelebt, als im großen Maschinen-Weltalter.

Sie sahen Alles, hörten Alles, beschwatzten Alles, bekrittelten Alles, wußten Alles — nur Eines nicht, daß das wahnsinnige Narrethei und kein Menschenleben ist. Ist auch nichts dabei herausgekommen, kein Glück, keine Schönheit, kein Friede, keine Freude. Das Maschinen-Weltalter! Wir in Nordika haben es auch damals nicht so toll getrieben, wie die Anderen, die weiter unten wohnen in der Geographie und sich als die Spitzenreiter der Zivilisation bejubelten, bis sie in den Graben purzelten, wie blinde Eseltreiber. Nein, wir haben bei Zeiten damit aufgeräumt. Alles überflüssige Maschinenwerk ist bei uns abgethan. Schon lange.