— Warum sprichst Du nicht, Grege? Schläfst Du — oder bist Du hungrig?

— Nein, nein! Es ist Alles in Ordnung. Wunderschön ist, was ich sehe, wunderschön ist, was ich höre. Es ist herrlich hier. Ich weiß nicht, wie ich Dir genug danken soll, Maikka, unvergleichliche Meisterin.

Der Lobspruch klang wohl männlich und echt. Und am dankbaren Gemüthe des schönen, stattlichen Teutamannes zweifelte Maikka auch nicht. Aber sie hatte doch etwas Anderes erwartet. Viel mehr Kraft und Ueberschwang der Empfindung. Freilich, wo soll das herkommen, wenn man aus dem vertrackten Teuta stammt! Und immer Meisterin, Meisterin! Mußte er denn das schülerhafte Achtungsgefühl in Alles hineintragen?

Sie waren jetzt in einer Gegend von entzückender Abgeschlossenheit. Hohe, breitwipfelige Bäume drängten sich zu beiden Seiten des Weges und überschatteten ihn so vollständig, daß Grege ein Frösteln über seine nackten Glieder laufen fühlte. War’s wirklich nur die Schattenkühle, was ihn erschauern machte?

In schweigender Betrachtung eilte er vorwärts.

— Wahrhaftig, er hat Hunger und wittert die

Meierei da oben! dachte Maikka und beschleunigte die Schritte. Dabei blickte sie auf seine nackten Beine und Füße und fand, daß sie schön gewachsen und für einen körperlich wenig geübten Teutamann erstaunlich muskulös waren. Gute Rasse verrieth sein Leib in jedem Glied und in der ganzen Struktur und Haltung. Im Wuchs konnte er neben dem gelungensten Nordikamenschen mit Ehren bestehen. Er war ein edler Recke in seiner Art, das war zweifellos. Und der jugendlich sprossende Blondbart stand ihm ausgezeichnet. Maikka hatte mit ihrem Gast keinen schlechten Fund gemacht. Sie betrachtete ihn mit heftigem Wohlgefallen; denn wie er im Schatten dahinschritt, sich straffend und reckend, um das Frostgefühl nicht merken zu lassen, bot er wirklich das Bild eines Helden aus der Wiege des reinen Germanenthums. Maikka konnte sich nicht verhehlen, daß sie jetzt nicht unaufgelegt wäre, mit ihm in das romantische Traumland der skandinavischen Mythologie zurückzuschwärmen, mit ihm Held und Heldin in göttlicher Leidenschaftlichkeit zu spielen, mit ihm zu ringen und — sich von ihm überwältigen zu lassen. Jawohl, auch dies — vollkommen überwältigen. Ihn dann aber für seinen Sieg mit einem Sturm von Zärtlichkeiten zu züchtigen, daß ihm das heiße Blut dampfend aus den Poren spritzte.

Grege eilte, eilte —

Sie blieb stehn, folgte ihm mit funkelnden Augen, riß den Mund auf, daß ihr Gebiß schimmerte, wie eines edlen Raubthiers Rachen, dann schrie sie ihm mit bebenden Nüstern zu: — Halt! Gelehriger Schüler!

Weißt Du, wo Du wandelst? Weißt Du, wie ich Dich sehen möchte? Als reißigen Nordlandssohn, in Brünne, Bärenfell und Flügelhelm! Du — Dich!