— Dann auf allgemeine Geschichte, Naturwissenschaften, Geographie, Mathematik, Gesang. Außerdem werden praktische Arbeiten in den Werkstätten, in Haus, Feld und Garten und so weiter geübt. In den geschlossenen Kursen werden Abends einige Theile des Vorgetragenen einer ungezwungenen allgemeinen Besprechung unterzogen. Dadurch lernen die Schüler eine Sache von mehreren Gesichtspunkten betrachten und ihre Gedanken deutlich ausdrücken. Der Unterricht ist überall für beide Geschlechter gemeinsam, auf allen Lehrstufen und in allen Schulkolonien. So bleibt der Geist natürlich, gesund und rein, die Menschen überheben sich nicht gegenseitig. Sie genießen den vollen Segen der Arbeit. Keiner betrügt den Anderen um die Früchte seines Schweißes, wie es in jenen ruchlosen Zeiten war, wo einzelnen Wenigen Alles, der Mehrzahl nur der Hungerlohn zum „Existenz-Minimum“ gehörte. Jetzt schafft Einer für Alle, und Alle für Jeden, sie sehen in der Arbeit keine Last, sondern eine freudvolle Pflicht und eine Ehre. Ohne diesen Geist kein allgemeiner
Wohlstand, keine blühenden Genossenschaften, kein Nordika! Verzeih, Grege, aber wir Leute hier oben beten unsere Heimath an!
Grege schritt still, gedankenvoll.
— Ja wir verehren unseren Boden, wir haben Ehrfurcht vor unserer Natur. Wenn ein Bauer einen jungen Wildling veredelt, entblößt er das Haupt, wenn er einen alten Baum niederschlägt, entblößt er wieder das Haupt. Der Landbau ist eine heilige Kunst. Wer den Pflug gut zu führen und eine schöne Furche zu ziehen weiß, ist so gut ein Künstler wie der, der ein Bild malt oder einen Spruch dichtet. Wer die Sense schwingt und eine Mahd gefällig hinlegt, oder einen Erntewagen mit Garben symmetrisch vollschichtet, ist so bedeutend in der Kunst, wie der Tänzer oder wie der Sänger oder wie der Architekt. Die Kunst, das ist die Seele des Volks. Und ein Volk kann nie genug Seele haben und nicht genug Freude, sich darüber zu freuen. Siehst Du, Grege, drum freu’ ich mich allweil so unbändig.
— Ah, dieses Feuerherz! murmelte Grege bebend in sich hinein.
Er fühlte die zehrende Glut, die dieses Wesen auf ihn überstrahlte. Es war wie ein lohender Brand, und er stand dabei, unentrinnbar, mitten in der Flammenzone.
Rasch führte er seine Hand zum Gesicht und betrachtete die Stelle, wo Jala’s Blutstern war. Verblaßt, verschwunden. Nein, nicht verschwunden, in die Haut hineingekrochen, in sein eigenes Blut versunken.
In seiner Blutbahn kreiste jetzt Jalas Stern, wie ein Licht, das im Dunkel seinen Gefühlen leuchtet, damit sie nicht in Irrniß gerathen.
Und Grege küßte heimlich die kleine Stelle an seiner Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger.
Dann blickte er froh beglückt in Maikkas leuchtendes Angesicht.