— Nein, mein Schüler, hör’ mich ernsthaft zu Ende und bleibe bei der Sache, nicht bei der Person. Unsere erwachsenen Schüler, gleichgiltig ob männlich oder weiblich, müssen sich um die Lehrer schaaren, ebenfalls gleichgiltig, ob weiblich oder männlich, im fleißigen
Verkehr mit ihnen ihr Wissen ergänzen, ihr Selbstvertrauen stärken und ihre eigene Lebensanschauung entwickeln. Denn eingepaukt wird hier nichts. Vorgeschrieben als unfehlbare Lehre auch nichts. Auch in Respekt und Heldenverehrung wird nicht gearbeitet. Jeder kann seine Muster suchen, wo er will, und sich zu ihnen stellen, wie ihm persönlich gutdünkt. Glaube mir, Grege, in Nordika kommen die richtigen Leute, mögen sie auch verschiedene Wege einschlagen, immer an dasselbe Ziel. Der Gipfel eines Berges kann von verschiedenen Seiten bestiegen werden, nicht wahr? Der Weg eines Strebenden muß sich jederzeit individuell bestimmen, nach Gemüthsart, Geisteskraft, Charakter. Ein Jeder muß sich den ihm am besten zusagenden Weg nach eigener Erkenntniß wählen, ohne damit das Recht zu erwerben, andere Wege, als den seinigen, als falsche zu verketzern. Das ist ja selbstverständlich. Die Eigenart eines jeden Einzelnen bedingt auch einen verschiedenartigen Ideenkreis.
— Jawohl, rief Grege lebhaft, Ideenkreis! Jeder seinen Ideenkreis in voller Freiheit.
— Die Fähigkeit, sich in den Ideenkreis Anderer hinein zu versetzen und dann erst zu beurtheilen, ob diese betreffenden Anderen den kürzeren oder den weiteren Weg zum Ziele wandeln, Grege, siehst Du, das ist wichtig.
— Ja, sehr.
— Und wer diese Fähigkeit hat, der ist weit entfernt von rechthaberischem Absprechen, von prahlerischem
Weisheitsdünkel, von der dummen Meinung, alle echte Erkenntnis für sich allein gepachtet zu haben.
— Wie wir Teuta-Leute! Ach, Eure Schulen, Maikka! Worauf erstrecken sich die Vorträge in Euren Volkshochschulen?
— Vor Allem auf die Sprache, Geschichte und Kunst des eigenen Landes, dessen Verfassung und gesetzgeberische Entwicklung.
— O, Entwicklung, verpöntes Wort in unserem heiligen Teuta.