Bis sie mit einem Mal einlenkte oder einzulenken schien.

— Den Komödianten brauchst Du mir nicht übel zu nehmen, Grege. Gesetzt, Deine Vorfahren waren Könige, oder wenigstens kleine regierende deutsche Fürsten, wie sie vor tausend oder anderthalb tausend Jahren — ich will einmal ein historischer Stegreifrechner sein, nach Teuta-Art, mit weitem Spielraum und elastischer Grenze — also wie sie damals an den Kanten des großen Preußenreichs noch herumblühten, ja, blühten, um kein anderes botanisches Wort zu wählen. Diese Deine Vorfahren machten einen Hof und hielten sich neben anderen Hofbeamten, die vielleicht auch nur Hofkomödianten waren, noch besondere Hofschauspieler. O, Deine Vorfahren, die Fürsten, zeichneten sie nicht wenig aus, ihre berufsmäßigen Hofschauspieler. Sie machten Hofschauspieler, wenn sie hübsche, anstellige Damen waren, zu ihren Maitressen, oder gar zu ihren Frauen, oder traten persönlich an die Spitze ihrer Hofschauspieler-Truppe als Leiter, als Führer, und machten mit ihnen Gastreisen im Reiche umher und bedeckten sich als Musageten mit Ruhm, der für sie auf andere Weise nicht mehr zu gewinnen war. Glaubst Du, daß

ich darin etwas Verletzendes sehe? Hier in Nordika, wo man die Kunst am höchsten stellt? Glaubst Du, daß es in jenen Zeiten am Ende nicht besser gewesen, die Fürsten hätten sich mit dem Kunstruhm begnügt und die Kunst des Regierens Anderen überlassen? Und nun, Grege, hör’ mich ohne Zorn an: Achtest Du’s für ausgeschlossen, daß Du der Abkömmling — eines Abkömmlings eines jener Schauspieler-Fürsten sein könntest und daß Du gerade darum berechtigt wärst, auf die doppelte Erbschaft zu pochen? Ist das nicht verständig geredet, Grege? Hättest Du Grund in dem kleinen Teuta von heute einen Theil der Erbschaft als Schmach zu empfinden, da er doch in jenem großen Reich von damals als unbezweifelte Ehre galt? Man muß nur Alles aus dem richtigen Gesichtswinkel nehmen.

Grege hatte sich über den Zaun gebeugt und streifte mit der Nase schnuppernd an einer hochstengeligen Tulpe.

— Duftlos, lächelte er.

Maikka lächelte gleichfalls, indem sie auf seine Bemerkung einging: — Vorsichtiger ausgedrückt, Deine Nase findet keinen Duft daran. Wollen wir künftig beide vorsichtiger im Ausdruck sein? Der Tulpe verschlägt’s ja nichts, aber unserer Nase und was als empfindlicher Mensch noch dranhängt, kann’s zu statten kommen.

Mit freundlichem Ernst, der nahe an wiedergewonnene sanfte Liebenswürdigkeit grenzte, fuhr Grege im Weitergehen fort: — Ich möchte wissen, Maikka, giebt’s auch Blödsinnige in Nordika?

Maikka fand die Frage überraschend. Sie erwog sie einen Augenblick. Dann betrachtete sie forschend Grege’s Gesicht. Nein, der Ausdruck so wenig wie der Frageton ließ einen beabsichtigten Doppelsinn vermuthen.

— Blödsinnige, Grege? Ja, leider, aber nur wenige.

— Taubstumme?