Das riß Ao aus seiner Schlummerstimmung.
— Natur? rief er merklich überrascht, beinahe vorwurfsvoll, was hat in Teuta die Natur zu sagen? Ich schaudere schon vor dem Wort zurück. Größe und Glück unseres Teutalandes, seine Einzigkeit und sein Ruhm begründen sich darauf, daß wir über die Natur hinaus sind, seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden. Alles ist Mechanik und Mystik. Damit stehen und fallen wir. Das ist unser Lebensgeheimniß. Das ist unsere Macht. Mechanik und Mystik, das sind die beiden Pole unseres Staates, um den uns die Welt beneidet. Soundso, ich rufe Dich zur Ordnung. So lange ich hier meines Amtes walte, ich, Ao, will ich das Wort Natur in diesem Zusammenhange nicht mehr hören. Hüte Deine Lippen, Soundso. Auch Deine Werthung der Pflichten, nach ihrer größeren oder geringeren Annehmlichkeit, ist Ketzerei, wenn man der Sache auf den Grund geht. Du bist gewarnt.
Alle stutzten. So lebhaft hatten sie den würdevollen Ao schon lange nicht mehr gesehen.
— Das macht die Jugendlichkeit meines vortrefflichen Gehilfen, daß er sich so verschnappt hat, beschwichtigte Titschi, mit einem mahnenden Zwinkerblick auf Soundso.
Der junge Diplomat hatte sofort die gefügigste Lammsmiene aufgesteckt, als hätte er nie das kleinste Wässerchen getrübt.
Titschi fuhr im trockensachlichen Tone fort: Ja, Hoheiten, der Oberphysikus wird uns Bescheid sagen. Inzwischen will ich feststellen, daß keinerlei ernste Gefahr im Verzuge ist.
Nun zirpte auch Kaspe: Der Bevölkerungsrückgang ist durchaus normal und giebt zu keinen Befürchtungen Anlaß, so lange wir in der Lage sind — und wir sind es, wie seit fünfzig Jahren stets — den Slavakos die festgesetzte Zahl an jungem Tauschvolk alljährlich und pünktlich gegen die Einlieferung der bedungenen Nahrungsfrüchte zu liefern. Wir können sogar, bei der nächsten Erneuerung des Vertrages, mit der Schätzung unserer Leistung hinaufgehen und stärkere Gegenleistung fordern.
Soundso konnte hier eine sachliche Bemerkung nicht unterdrücken.
— Eines Tages möchte sich’s doch ereignen, daß Teutaland nicht mehr so viel Tauschvolk produzirte, um die genügende Nahrung geliefert zu erhalten. Und bei allen Fortschritten der Technik werden wir nicht leicht dahin kommen, das Volk mit Luft zu ernähren. Auch die Surros kriegt man auf die Dauer satt. Der Magen nimmt sie nicht mehr an. Er will natürliches
Originalfutter zur Abwechslung. Unsere Vorfahren thaten nicht gut, die Landwirthschaft zu zerstören und uns ganz den Künsteleien der Techniker und Chemiker zu überliefern oder gar den dilettantischen Erfindern vom Schlage Greges. So hängen wir von den Slavakos ab. Wenn denen einmal Unheil zustößt, sind wir ohne Früchte. Es könnte sich auch ereignen, daß sie unsere menschliche Tauschwaare zurückwiesen. Womit wollten wir sie dann verpflichten? Oder sie führen ein System des Lebens ein, das ihnen selbst genügend Menschen lieferte. Was dann, Hoheiten? Gestattet meiner Jugendlichkeit diese bescheidenen Gedanken.