— Zukunftsgespenster! Die schrecken uns nicht. Die Slavakos werden im Gegentheil immer nachdrücklicher auf unsern Menschenersatz angewiesen sein.

— Wie das? fragte Ao, der seine Schläfrigkeit vollkommen bezwungen zu haben schien.

— Sehr einfach. Wie ich aus zuverlässigen Berichten weiß, sind bei den Slavakos wieder einige neue religiöse Sekten entstanden, welche es mit den Lehren ihres Heiligen, den sie unter den größten Auserwählten ihrer Rasse vor zweitausend Jahren entdeckten, noch viel strenger nehmen. Toistoji nennen sie sich. Diese Toistoji setzen ihre Seligkeit in absolute Enthaltung von jedweder Fortpflanzung aus eigenem Samen und wählen ihre Anhänger aus den jüngsten Jahrgängen . . .

— Beachtenswerth, rief Ao erbaut, das nächste Mal erbitten wir uns weitere Aufschlüsse, Kaspe. Die

Zeit ist heute zu vorgerückt. Ich habe noch andere Fragen. Zunächst die: Wie stehen wir zu den Angelos? Hat sich unsere Abschließungszone gegen sie erweitert? Ist unsere Grenze genügend geschützt? Die Angelos verharren in der Barbarei ihrer alten Ordnung und sind Feinde unserer Ruhe. In jedem Blutstropfen lauert ihre Herrschgier. Liegt nichts Verdächtiges vor?

Als Titschi den Kopf schüttelte, räusperte sich Soundso, als wolle er wieder das Wort nehmen. Aber nun kam ihm Titschi zuvor, um nicht durch eine neue Verschnappung seines jungen Gehilfen umständliche Erörterungen und damit eine lästige Verlängerung der Sitzung herbeizuführen.

— Nein, es liegt nichts vor. Seit Jahren ließ sich keiner von diesen Störenfrieden an der Grenze unseres Reiches blicken. Unsere Abschließungszone gegen das Meer hat sich inzwischen um weitere bedeutende Flächen vermehrt, der Wüstengürtel hat sich verbreitert. Die sanften Slavakos, obwohl sie immer weiter nach Westen drücken, sind unsere vertragsmäßigen Freunde. Die Frankos scheinen wirklich stille Leute geworden zu sein, von liebenswürdiger Gesinnung. Weitab wohnen die kleinen Völker, die ihrer turbulenten Neigungen zwar noch nicht ganz Herr geworden sind, aber zu fernen Abenteuern jeden Anlaß verloren haben. Ich kann mir kein friedlicheres Bild unserer Beziehungen zur Umwelt denken. Je tiefer der Trieb unserer Leute im Leben und Bauen geht, desto weniger Angriffspunkte bieten wir.

— Ja, unter der Erde ist gut und sicher wohnen, zirpte Kaspe. Schade, daß wir die alten Kulturdenkmäler nicht auch unter die Erde bringen können. Das Königsschloß, das Gotteshaus, die Kaserne, das Museum, das Zuchthaus — gäbe es wirklich kein Mittel, sie tiefer zu legen? In der Luft ist ohnehin die Verwitterung so stark, daß uns die Unterhaltungskosten mit der Zeit drückend werden können. Oder wollen wir sie wie die Fabrik mit ihren neunundneunzig Schlöten ruhig dem Verfall und dem Einsturz überlassen? Sattgesehen hat man sich in den vielen Jahrhunderten auch daran. Ich glaube nicht, daß unsern Teutaleuten das Herz an diesem Gerümpel hängt. Für diesen Ausfall erfinden sie sich reichlich neue Vergnügungen.

— Neue Vergnügungen, lispelte Soundso mit lächelnder Lammsmiene, ja, das ist das herrliche Problem, neue Vergnügungen, Hoheiten!

— Mein kluger Soundso vergißt, daß bei uns Alles Eintracht und Zufriedenheit athmet. Probleme sind Keime für Umwälzungen. Diejenigen, welche Revolutionen gemacht haben, dulden nicht, daß man nach ihnen welche machen wolle. Mit Recht oder Unrecht, so ist’s.