— Halten’s die Menschen hier wirklich auch so? Wer hat, der giebt, und wer empfängt, der richtet sich darauf ein?

Grege nahm einen Anlauf, immer lustiger zu werden. Maikka hingegen zog es vor, jetzt ernst zu bleiben. Das heißt, sie zog es eigentlich nicht vor, es kam ihr so.

— Bei einem natürlich gebildeten Volk, das auf sich hält, besteht die freie Wahl-Liebe, nicht wahr? Das Kinderhaben und die Ehe, die sich auf längere oder kürzere Zeit oder auf Lebensdauer daranknüpfen mag, ist Sache des Gefühls und der wirthschaftlichen Erwägungen. Leuchtet Dir das ein, Grege?

Grege eilte, mit einer neuen Frage zu kommen, denn plötzlich fühlte er, als Teutamann, bei dem verhaßten Zustand in seinem Lande, brüchigen Boden unter den Füßen. Er wollte die Szene von neulich nicht noch einmal heraufbeschwören.

— Geschichtlich ist die Ehe doch ein widerspruchsvolles Gewächs.

— Sicherlich, Grege.

— Bei unseren germanischen Vorfahren, so vor ein und zwei tausend Jahren, wie es die Geschichte ausweist, ging’s ein wenig kraus zu.

Maikka brauste auf:

— Ein wenig kraus nur? Unsinnig ging’s zu, unsinnig bis zum Ekelhaften. Mit der damaligen Auffassung von Liebe und Ehe waren doch alle Naturbegriffe gefälscht und alle Moralbegriffe obendrein. Sie hatten’s auch dafür. Wenn man an ihre Ehe-Dramen denkt, fragt man sich, in welchem Tollhaus die Vernünftigen und in welchem Schweinestall die Sittlichen gelebt haben. Und darauf hatten sie noch ein kirchliches und ein staatliches Patent. Neunzehntel aller Sorgen, Quälereien und Lumpereien einerseits, aller Poetastereien und Gefühlsquaseleien andererseits drehten sich um ihr „Ewigweibliches“, was in ihrer Lebenspraxis doch nur ein Ewigabgeschmacktes war. Dazu hatten sie ihre „Frauenfragen“ jahrhundertelang, und nichts vom Standpunkt der Natur aus in direkter Frage, sondern immer aus der verdrehten Kampfperspektive und aus dem Gegensatz der Geschlechter und ihrer Dekadenz. Sich gegenseitig die Kette abzunehmen und der Natur ihren Lauf zu lassen, auf diese Lösung kamen sie nicht.

— Konnten sie nicht kommen, Maikka, eben weil sie ihre Natur verloren hatten. In Nordika habt Ihr gut reden. Ihr wißt nicht, wie schwer man sich mit