Sie saß rittlings, knotete sich mit der rechten Hand in die weiße Mähne und wendete sich nach Grege um.
— Mir nach, Grege!
Und sie flog dahin, die Haare im Wind. Ihr braunes Röckchen flatterte. Ihre nackten Arme und Beine leuchteten.
Wie sollte er nun das wieder verstehen? Wollte sie ihn völlig verrückt machen? Das Schauspiel war ja an sich ganz lustig anzusehen, diese galoppirende Amazone war ihm eine nagelneue Erscheinung. Er würde sich jedoch hüten, ihr nachzumachen und den Hals zu riskiren. Die anderen Stuten betrachteten ihn sinnend, mit vorgelegten Ohren, dann trabten sie fort, Maikka nach.
Maikka ritt drüben mitten in die weidende Heerde, sprang ab und schwang sich auf ein anderes Pferd, das sie als das Leitroß erkannte. Ihr Lieblingspferd war heute nicht da, vermuthlich wegen anderweitiger Berufserfüllung. Das war nämlich der Zuchthengst, ein herrlich edler und intelligenter Kumpan, unter dessen ritterlicher Obhut die gesammte Fohlenwiese stand. In seiner Abwesenheit führte das Leitroß, gleichfalls ein tadelloses Thier, das Regiment.
— Wohin Du mit mir willst, vorwärts! Hipphipp!
Das Thier griff aus und jagte rund um die Umzäunung, und der ganze Trupp hintendrein mit Gewieher und Gepruste, bis die Reiterin vor Grege hielt, der erschreckt zurückwich.
— Siehst Du, Teutamann, das ist gerittene Mythologie. Magst Du Dich zu mir aufsetzen? Willst Du’s griechisch oder altnordisch?
Grege mußte ihr nun doch Beifall klatschen. Sie sah
prachtvoll aus. Verklärt animalisch. Wie ein höheres Thier. Und er hätte wahrhaftig etwas darum gegeben, wenn er sich fähig gefühlt hätte, sich zu ihr aufzuschwingen und mit ihr einen Ritt zu wagen.