Mit jähem Gedankensprung warf ihm Maikka die Frage zu: — Hör’, Grege, kannst Du Dir Deinen Nationalheiligen Zarathustra hoch zu Roß denken? Nein? Er war kein Reitersmann? Er hat nie vom Rücken eines edlen Rosses auf die Welt hinabgesehen, wie ich auf Dich jetzt hinabsehe? Er ist nie der aufgehenden Sonne entgegen, der untergehenden Sonne nachgeritten? Er hat nur Phantasieflüge gemacht, ohne Schluß und Schenkeldruck? Das Pferd gehörte nicht zu seinen heiligen Thieren?

— Was Du für Einfälle hast, Maikka. Zarathustra hoch zu Roß, die Umwerthung der Werthe zu Pferd!

— Dann werthe schleunigst seine Umwerthung um. Alle weltbewegenden Offenbarungen wurden der Menschheit vorgeritten, das Christenthum auf einem geduldigen Eselein, der Mohamedanismus auf einem feurigen Araber. Und Dein Zarathustraismus kommt zu Fuß?

Grege war gedankenvoll herangetreten und reichte ihr die Hand. Sie glitt vom Pferde in seine Arme.

— Das viele Lachen hat mich dumm gemacht, wahrhaftig. Plötzlich fühle ich meinen Kopf so leer. Laß uns den Heimweg suchen.

Sie hing sich an seinen Arm und folgte ihm schweigend im heraufziehenden Abendfrieden.

Sie war wie verwandelt.

— Ueber Zarathustra, fing sie später leise an, aber es war doch, als klinge wieder ein verhaltenes Lachen durch, — über Zarathustra muß ich mit Dir noch besonders reden. Es sind die letzten Mucken, die ich aus Deinem Kopf vertreiben muß. Kennst Du den vollständigen Zarathustra?

— Die hauptsächlichsten seiner Reden, ja. Alle zu lesen wird in Teuta nicht für gut gehalten. Auch von den Kommentaren sind uns nur wenige erlaubt.

— Daran liegt nichts. In meiner Bibliothek kannst Du Alles finden. Aber sag’ mir, was weißt Du von seinem Leben?