Ao hatte die ganze Zeit kein persönliches Wort zur Sache gefunden. Die Geschichte ging ihm über den Horizont. — Mechanik und Mystik! murmelte er endlich und bat, das Licht zu vermindern, es sei zuviel der Helle für seine Augen.
Kapitel 25
Die Abendwolken, die Ao wie lodernde Feuerberge erschienen, sah Grege mit anderen Augen und anderen Gedanken.
— Eine Armee von Titanen, mit gezückten Schwertern, Reiterschaaren, anstürmend auf feurigen Rossen, in wildem Schnauben hinein in den Kampf! In schmählicher Flucht die Feinde vor sich her jagend! Wem eine solche Heimkehr beschieden wäre an der Spitze eines kampfbegeisterten Kriegsvolks!
Aber er wußte, das sind Wolkenbilder am Himmel, heroische Phantasien. Auf europäischer Erde findet sich diese Wirklichkeit in Wehr und Waffen mit blitzender Entscheidungskraft nicht mehr. Und sein Gruß an den heimathlichen Boden, den jetzt sein Fuß wieder betreten, war ein Seufzer, jenen schönen Zeiten nachgesandt, wo der Kampf zwischen Männern nicht mit Worten, sondern mit Blut geführt wurde, wo das Höchste vom Gegner gefordert wurde als Einsatz, sein lebendiges Leben, seine lebendige Freiheit. Sieg oder Tod!
Grege trug wieder sein Pilgerkleid und seinen Stab wie damals, als er ausgezogen . . . Als Fremden zeigte ihn jetzt nur sein wallendes Haar, sein mit vollem Barte umrahmtes, luftgebräuntes Gesicht, sein ungewöhnlich
straffer Gang, sein raubthierkühner, harter Blick.
Wenn er jetzt die Nacht durchwanderte, könnte er bis zum Morgengrauen in Teuta sein und den hohen Rath allarmiren.
Er beschloß jedoch, einige Stunden unmittelbar vor der verschlafenen Stadt zu rasten, und dann, wenn das offizielle Leben gegen Mittag erwachte, aus nächster Nähe in den heiligen Bezirk einzubrechen.