— Nimm’s uns nicht übel, wir hatten’s besser mit Dir vorgehabt. Wir werden Dich für die ausgestandene Angst schadlos halten, sobald wir geborgen sind. Dann wirst Du auch eine liebenswürdigere Meinung von uns gewinnen. Willst Du frei sein, Flüchtling?

Und der Aeltere nahm ihm die Fesseln ab.

Grege hatte seither kein Wort mit ihnen gewechselt. Er vermied auch, ihnen in die Augen zu sehen. Er fürchtete das kalt Beherrschende, das starr Bannende ihres Blicks. Es ging etwas von ihnen aus, das entwaffnete und lähmte. Alle Schrecken seiner ersten Ueberwältigung und Fesselung vermeinte er wieder zu fühlen, wenn er ihnen in die Augen sah. Jetzt erst, wo ihr Schicksal ein gemeinsam ungewisses war und gemeinsam der Selbsterhaltungstrieb neuen Katastrophen gegenüber, fand er sich in’s Unvermeidliche und fühlte sich fast als ein mit ihnen auf Leben und Tod Verbündeter.

Nur wenn er an Jala dachte, war’s mit seiner Fassung vorbei.

— Jala, meine muthige, arme Jala, wenn Du wüßtest! Das war ein übler Anfang. O über die verwünschte Wunde!

Und er fühlte die Geliebte fast in körperlicher Nähe, hergezogen durch die schmerzlich überquellende Sehnsucht seiner Seele.

Dann aber sah er sie als märchenhafte Erscheinung in unmeßbarer Ferne wieder verschweben und sich selbst und seine Genossen wie außerhalb aller Welt, losgelöst

von allem irdisch Menschlichen, und eine dumpfe Ruhe folgte auf die bittere Erregung.

— Seid Ihr gewiß, daß wir uns in der Nähe des Pols bewegen? fragte er seine Peiniger.

— Die unendlichen Schneelagen da unten und die schimmernden Gletscher schließen den Zweifel aus.