Ewig sich selber Feind und Kriegsschauplatz sein und vor der Welt den sanften Meister der geistigen Zucht spielen? Den lächelnden Herrscher, der nur auf Siege blickt und auf Ruhmesbahnen schreitet, während er thatsächlich von Niederlage zu Niederlage taumelt und voll ist bis zum Halse von bitterem Ekel über sich und seine Mitwelt?
Fürwahr, eine plumpe Lügenpeterei war dieses ganze Leben, zu dem er sich als Angehöriger des Teutavolkes verdammt sah. Ein Genist von Ungeheuerlichkeiten der ganze Verkehr von Mensch zu Mensch. Nirgends Zug und Schwung, ein ewiges Hinkriechen und Beiseiteschleichen. Die Dümmsten die Verhätscheltsten, die Aberwitzigsten die Belobtesten.
Und diesen müffigen Lebensbrei auslöffeln, mit zugehaltener
Nase, Tag für Tag, bis endlich die Sickerquelle des Bewußtseins und Begehrens im elenden Hinsiechen sich von selbst verstopft?
Da war noch ein bleicher Schimmer von Glück in einer ungewöhnlichen Holdseligkeit des Weibes. Er ist erloschen. Da war noch eine schwache Betäubung im Verkehr mit den Ausnahmegeistern der Vergangenheit. Gespensterspiel, nichts weiter. Was blieb? Nichts, was die Persönlichkeit über den Verdruß mit sich selbst hinaushebt. Nichts, was zu einer äußersten Kraftprobe befeuert. Nichts, was die verpönten Laster Verachtung, Zorn, Haß, Rache zu geheiligten Tugenden umwandelt. Eine einzige Nichtigkeit Alles. Und nun schleicht das Alter heran, die Verstumpfung der letzten kümmerlichen Daseinsreize, die Verzweiflung, die nicht einmal sich selbst mehr ernst nehmen kann.
— Minus, verkadavere Dich, endgiltig, bevor es zu spät ist. Sogar der hohe Rath, der lächerliche hohe Rath, hat Wind . . .
Sein Auge glühte, sein Gesicht bedeckte tiefe Blässe.
Sein Fahrstuhl hielt vor der Thür seines Gemaches. Wie ein Schatten war er durch die lange Kreisbahn gehuscht, die aus der Tiefe der Beamten-Region zur oberen Schicht führte. Hier lag die Wohnung im neunundneunzigsten Bezirk, dicht an der Grenze der Männerhauptstadt.
Eine Mauer mit vielen Thoren, die mystische Inschriften trugen — wie: Wille zur Macht, Selbstverneinung, Bejahung des Lebens, Nullpunkt der Gefühle, Schwelle des Unbewußten — trennte die Männerhauptstadt
vom Jenseits der Frauenhauptstadt. Denn das war der Triumph der moralischen Entwickelung in Teuta: Anerkennung der Gleichheit in der Trennung, Freiheit in der Bethätigung des Sonderwesens als Gattung, Mechanisirung der Empfindung bis zur Vernichtung der persönlichen Wahltriebe.