— Es stände uns auch nicht zu, diese Feststellung festzustellen. Wir sind kein Todtengericht. Wir sind die Vertreter vom Festbunde, bemerkte der Sprecher wie zur Selbstbelehrung.

Endlich griff Ao wieder ein, nachdem er schnell die eigenthümliche Stimmung, die ihm befremdend aus den versteckten und doch so hartnäckigen Wechselreden der Aeltesten entgegenschlug, sich deutlich zu

machen versucht hatte. Er fühlte, daß das Ueberraschende des Ereignisses geeignet sein mußte, die Leute zu plötzlichen und unüberlegten Gefühlsausbrüchen zu drängen. Mit ruhiger Güte und Geduld war daher der Wurzel dieses sonderbaren Verhaltens wohl näher zu kommen.

— Ihr seid mir als liebe, kluge, verständige Leute bekannt, ich begreife, daß Euch das plötzliche Ableben eines so hohen und verdienten Vertreters unseres Volkes erregen muß. Wer schätzte Minus nicht, den geehrten Meister und Hüter des Wortes und des Geistes, der im Worte wohnt? Den Verwalter und Aufseher unseres heiligen Sprachschatzes? Wer liebte ihn nicht? Und jetzt ist er todt. Nicht wahr, meine Freunde, wer liebte ihn nicht?

— Und wen liebte er nicht, nicht wahr, Hoheit? Er war so beweglich, der gelehrte Minus.

Schon wieder dieses thörichte, aufreizende Wort.

— Beweglich? Im Angesichte des Todes frag’ ich Euch, wollt Ihr mit der Sprache herausrücken oder nicht?

Der Oberpriester sprach langsam, mit vibrirender Stimme und gab seinem Gesicht einen ungewöhnlichen Ausdruck erhabener Würde.

Das schien zwar den Aeltesten nicht übermäßig zu imponiren, doch konnten sie sich des Gefühls nicht erwehren, daß jetzt wohl nicht der geeignete Augenblick und hier auch nicht der rechte Ort sei, ihre versteckten Angriffe gegen den verstorbenen Minus fortzusetzen. Es mußte also ein Abschluß gefunden werden.

— Nun, Sprecher, führe Deine Sache offen! fuhr der Oberpriester fort.