Liebe zu mir war es nicht, die ihn dazu trieb, mich wieder zu holen. Erst viel später habe ich begriffen, daß, solange er mich bei sich hatte, immer eine gewisse Nachsicht mit ihm geübt wurde, wenn er mit der Pacht im Rückstande war. Und das war wohl meistens der Fall.

Das flotte Leben, das er führte, verschlang zu viel.

Oft hörte ich damals des Abends Gläserklingen und lustiges Frauenlachen aus den unteren Räumen zu mir herauftönen.

Ich war neugierig ndash; sehr neugierig.

Aber die alte Rosine schalt mich aus, wenn ich sie fragte.

»Du hast geträumt, Kind! In der Nacht schläft man. Wo sollten hier denn Damen herkommen?«

Ich hatte aber doch nicht geträumt. Ich weiß es jetzt.

Mein Tagebuch.

Ich habe mir ein Tagebuch gekauft, und heute will ich es einweihen, heute am Todestage meiner lieben, toten Mutter.

Nun ich aber davorsitze, weiß ich gar nicht, was ich schreiben soll. Ich erlebe so gar nichts. Soll ich schreiben, daß ich sehr unglücklich bin? Das kann ich nicht! Ich bin mir selbst nicht recht klar über mein Empfinden. Ich habe etwas sehr Böses getan und weiß nicht, was aus mir werden wird, und darüber müßte ich doch traurig sein, aber ich bin es nicht.