Den 20. August.
Schrecklich ist es doch, was das Leben aus all diesen Mädchen gemacht hat. Sie betrachten ihr Handwerk als etwas ganz Selbstverständliches. Alle wollen Geld verdienen, und die Wenigsten haben etwas. —
Bronja sagt auch, daß es nur sehr Wenige gibt, die sich hier wieder herausarbeiten. Die weitaus Meisten enden an der Ostseite, am Fluß unten, in den Verbrecherkellern.
Wenn sie zu nichts sonst mehr taugen, dann verdienen sie immer noch einige Cents für ihre Zuhälter, bis sie eines Tages abgefangen werden oder bei einer Schlägerei umkommen. —
Mir ist das unbegreiflich. Es muß herauszukommen sein, wenn der feste Wille da ist.
Ich glaube nur, die meisten der Mädchen wollen auch nicht ernstlich. Das faule Leben, das Saufen – denn trinken kann man es wirklich nicht mehr nennen – gefällt ihnen. Des Nachts wird gefeiert dann bis in den Nachmittag hinein geschlafen und dann geht's von neuem los. – Viele sind auch schon nach kurzer Zeit derart verdorben, daß sie für ein anständiges bürgerliches Leben gar nicht mehr zu gebrauchen sind. Auch die Mädchen untereinander sind oft widerlich. Das ist ein Küssen und Umarmen, als ob sie noch nicht genug an dem aufgezwungenen Verkehr hätten. —
Ich bin nicht genug in die Geheimnisse des Geschlechtslebens eingeweiht, aber so viel merke ich doch, daß da etwas vorgeht, was nicht sein darf. Etwas Unerlaubtes, Anormales.
Die Rottmann paßt aber auf, und ich habe schon verschiedene Male gehört, wie sie die eine aus dem Zimmer der anderen holte. Ich glaube sogar, sie schlägt sie, schimpfen tut sie wenigstens genug.
Mir ist die ganze Sache überaus widerlich!