Wenn auch diese Hoffnung scheitert, dann glaube ich an nichts mehr. – Aber nein, diese Augen können nicht lügen. Er ist ein guter Mensch, einer von den Wenigen, die es gibt. — — — — —
Der Doktor hat auch nicht Wort gehalten. Noch nicht ein einziges Mal war er hier, und ich hatte doch so darauf gehofft. Er wird mich vergessen haben oder er will nicht kommen. —
Mir kommt es vor, als ob wieder irgend etwas im Hause vor sich ginge. Wenn mich nicht alles täuscht, sind wieder Neue eingebracht worden. Das alte, schreckliche Geschöpf, das mir am ersten Morgen mein Frühstück brachte, begegnete mir heute früh auf der Treppe. Ich habe es Bronja erzählt, und die meint, das würde wohl so sein. Wenn neu Aufgegriffene ankommen, dann muß immer diese Person die Bedienung besorgen. Sie ist der Rottmann ergeben auf Tod und Leben, weil sie sonst nirgends mehr hin kann. Sie ist unheilbar geschlechtskrank. – Die Rottmann behält sie aber, weil sie für diese Henkersdienste jemand haben muß, der verschwiegen und ihr blindlings ergeben ist.
Und dieses Mädchen – anstatt jede Geschlechtsgenossin zu warnen und ihr Gelegenheit zu geben, aus diesem Hause wieder hinauszukommen – hilft mit einer wahren Wollust dabei, sie zu verderben. —
Sonderbare Seelenabgründe sind es, die das Leben zeitigt. —
4. September.
Ich habe richtig vermutet. Gestern waren zwei Neue im Salon. —
Die armen Dinger! Ich bin überzeugt, es sind ein paar arme Dienstmädchen vom Lande oder so was Ähnliches. Sie waren so schüchtern und linkisch, und an ihren Händen und Armen konnte man noch sehen, daß sie bis jetzt wenig gepflegt worden waren.