„Ja, es ist ein Baron,“ erwiderte der Herrscher. „In der alten Edelmannsfamilie, der er entstammt, herrscht die Sitte, daß der älteste Sohn die großartige Herrschaft übernimmt. Das ist nun nichts Ungewöhnliches, aber doch scheint dieser Mann dadurch verbittert zu sein. Er besaß Vermögen und besitzt es auch noch. Er war ehrgeizig und obwohl ein ausgezeichneter Gelehrter, strebte er doch nach den höchsten Zielen. Sein Ehrgeiz kannte keine Grenzen, und so suchte er eine Prinzessin des Herrscherhauses als Gattin zu gewinnen. Er, ein schöner Mann, der eine Art dämonischen Einfluß besitzt, wäre fast an sein Ziel gelangt. Schon war er nahe daran, das Herz einer blutjungen Prinzessin zu gewinnen, als ich, noch rechtzeitig gewarnt, dazwischen trat und dem Ehrgeizigen den Besuch des Hofes untersagte. Da kannte sein Zorn keine Grenzen, denn dieser Baron ist rachsüchtig. Vorerst blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in sein Schicksal zu ergeben, aber als der große Feuerstern erschien, als er durch seine Beobachtungen erfuhr, daß der Komet mit der Erde zusammentreffen würde, da ließ er seiner Rache freien Lauf. Anstatt das Geheimnis zu wahren, brachte er es zur Kenntnis der Massen und zog sich zu gleicher Zeit in ein unauffindbares Versteck zurück. Seine Rache ist gelungen. Der Aufruhr tobt in den Straßen. Opfer sind schon gefallen, und wenn es so weiter geht, wird der Komet, wenn er mit der Erde zusammentrifft, nur noch einen Teil der Menschheit zu vernichten haben. Die Rache dieses Mannes verwandelt die Erde in die Hölle. Die furchtbarste Revolution steht vor der Tür.“
„Das wollte ich wissen,“ erwiderte Mors, „das genügt mir. In kürzester Zeit befinde ich mich auf der Fahrt im Weltenraum, auf der Fahrt zum nahenden Kometen. Unterdessen muß alles getan werden, damit sich das Volk beruhigt. Kein Mittel darf gescheut werden, um die Massen glauben zu machen, daß das Verderben noch einmal an der Erde vorübergehen wird. Mit äußerster Strenge muß man die Empörung niederhalten, bis ich zurückkehre. Ist das Verderben unvermeidlich, nun gut, dann wird es sich ja zeigen, ob in den letzten Tagen der Erde die sinnlose Zerstörung Triumphe feiert. Bringe ich aber die Botschaft, daß die Katastrophe vermieden wird, so wird wieder Ruhe eintreten, und dann mag jener Mann, der soviel Unglück angerichtet hat, seine Strafe empfangen. Jetzt ist diese Unterredung zu Ende.“
„Nein, noch nicht,“ rief der Herrscher, auf den die Erscheinung des maskierten Mannes gewaltigen Eindruck gemacht hatte. „Noch nicht. Kapitän Mors, wenn es Ihnen gelingen sollte, Klarheit über das Bevorstehende zu schaffen, wenn Sie durch Ihr heldenmütiges Wagnis, ja so muß ich es nennen, die Kunde bringen, daß der Tod an uns vorübergeht, so können Sie alles fordern, was Sie wollen, jede Belohnung und sei es auch die riesigste Summe.“
„Nicht einen Heller,“ erwiderte der Luftpirat. „Auch nicht ein Dankeswort begehre ich. Was ich tue, geschieht im Interesse der Menschheit. Wohl habe ich mich gewissermaßen von der Menschheit zurückgezogen, aber ich hasse sie nicht. Ich will das arme Volk beschützen und sein Los zu erleichtern suchen. Bringe ich die Kunde, daß die Erde gerettet wird, nun wohl, so mögen die Regierungen der Kulturstaaten eine ungeheure Summe unter die Armen verteilen. Das wäre für mich die größte Belohnung.“
Der Herrscher war von diesem Edelsinn hingerissen. Er reichte Kapitän Mors die Rechte.
„Ich bin ja der Luftpirat,“ erwiderte der Maskierte bitter.
„Nein, Sie sind ein edler Mann,“ rief der Herrscher, indem er die Rechte des Maskierten faßte. „Früher habe ich Uebles von Ihnen geglaubt, aber diese kurze Unterredung hat mich überzeugt, daß Sie ein Mann sind, den man verleumdete. Kapitän Mors, wer Sie auch sein mögen, vergessen Sie nicht, daß Sie in diesem Lande, wenn das Unglück an der Erde vorübergeht, einen Mann finden, der Sie immer aufnehmen wird, komme, was da wolle.“
Ein Händedruck folgte, der Luftpirat trat rasch zurück, er winkte dem Herrscher und dem Prinzen zu.
„Ich bringe die Botschaft,“ rief er, „ich fahre zum Kometen.“
Im nächsten Augenblick verschwand die stolze Gestalt des Mannes im Gebüsch, während der Herrscher und der Prinz den Rückweg antraten.