Daß sie bedeutende und befähigte Neger sind, beweist auch ihr jetziges Verhalten. Sie haben an Verstellung das Menschenmöglichste geleistet.
Natürlich ist die Spannung groß, wie die Wahehe es aufnehmen werden, wenn einer ihrer Größten aus der Quawafamilie den Tod als Verräter sterben muß.
Jenseit des Ruaha ist ein Teil der Bevölkerung zu Quawa gegangen, ein anderer aus Angst vor der Station in die Berge geflüchtet.
21. Februar 1897, 4 Uhr mittags.
Den ganzen Morgen habe ich mich zu nichts aufschwingen können; Tom ist auch ganz verstört. Während des Kriegsgerichts hielt ich es nicht mehr aus und ging ins Gefängnis zu den Mpangirefrauen. Sie saßen dicht zusammen, das Gesicht der Wand zugekehrt! Ich rief Mgumditemi zu mir. Sie war kaum wieder zu erkennen, so abgemagert und abgehärmt sah sie aus, die Tränen standen ihr in den Augen, sie litt wirklich mit Mpangire, während die andern, Sadangombe ausgenommen, nur ihr eigenes Schicksal zu betrauern schienen, sie bettelten auch gleich um besseres Essen. So sehr mich die Mgumditemi gerührt hat, so stießen mich die andern ab.
Stadt Iringa, 23. Februar 1897, abends.
Jetzt sitze ich mit meinem Mann um 7½ Uhr abends im Zelt in der früheren Sultanstadt. Vor ungefähr acht Wochen waren wir auch hier im Begriffe, den künftigen Sultan abzuholen. Jetzt ist es mit der Sultansherrlichkeit für immer vorbei. Mein Mann hatte gehofft, die Quawabrüder so zu verpflichten, daß sie der Station ergeben wären, aber der Quawatrieb, allein zu herrschen, war zu mächtig in ihnen, und so mußten sie es mit dem Leben büßen. — Sie wurden verurteilt, und als ihnen die Ketten abgenommen und sie zum Galgen geführt wurden, hat Mpangire einen noch recht menschlichen Zug gezeigt. Er hat gefragt, was wohl aus seinen Kindern werden würde! Das versöhnt einigermaßen wieder mit dem Verräter. Alle Europäer waren für ihn eingenommen, auch mich hatte das hübsche Gesicht, der freie Blick, das große Auge, das manierliche und nette Wesen, der chevalereske Ton, sein schnelles, kluges Auffassen so geblendet, daß mir sein jähes Ende sehr nahe ging; ich habe bitterlich geweint, und noch jetzt traure ich um den schwarzen Gentleman, trotzdem meine Vernunft sich dagegen sträubt.
Mein Mann ist jetzt zu einem Schauri in die Tembe eines Großen der Wahehe gegangen. Ich ängstigte mich um ihn! Wie leicht kann ein fanatischer Kerl ihm etwas antun. Die Askaris sind auch von Leuten, die schon 5 bis 6 Monate mit ihnen freundschaftlichst verkehrten, auf den Befehl von Quawa ermordet worden.
An der Küste müssen sie uns ganz in Frieden denken; ein Herr Kaufmann hat die Erlaubnis bekommen, meinen Mann um 20 Wahehe zu der Ostafrikanischen Ausstellung in Leipzig zu bitten — und wir sind froh und dankbar, wenn wir mit den Leuten zu einem friedlichen Verhältnis kommen!! — Schöne Exemplare sind es schon; es würde lohnen, sie auszustellen, freilich würden sie das als eine harte Bestrafung ansehen.
Die Weiber und Kinder der Quawafamilie und die Quawaanhänger, so auch der Eisenfundi, werden des Landes verwiesen und an die Küste geschickt.