Ich werde jetzt schlafen gehen, mich aber nicht ausziehen, denn man kann nicht wissen, wie es kommt. Den Revolver habe ich stets bei mir. Übrigens, noch eins! Die Karawane eines Arabers nach hierher ist bei Mage geplündert, der Araber getötet worden, gewiß auch der kleine Jumbe Mangatua mit seinem Anhang. Die Weiber, die er hier bekommen hatte, sollen in Quawas Hände gefallen sein.

20. Februar 1897.

Gestern nachmittag kam Tom zurück, er hat die Landschaft anscheinend ruhig gefunden, einen neuen Jumben eingesetzt und Stephan mit der Anlage eines Sicherungs-Postens beauftragt. Jetzt läßt er hier eine Dornenboma und Stacheldrahtzäune anlegen, als ersten Schutz gegen einen plötzlichen Überfall der Wahehe; derartige Hindernisse geben unseren Askaris bei nächtlichem Angriff genügend Zeit, ihre Verteidigungsstellungen einzunehmen und sich zum Ausfall zu sammeln. Am Abend kam Dr. Stierling zurück; er hat den Eisenfundi, den Speerschmied, gefangen. Leider sind aber sieben Kettengefangene entsprungen — das bedeutet für unseren Feind Quawa einen Zuwachs von ebensovielen Kriegern.

21. Februar 1897.

Die Post mit vielen Briefen und Berichten meines Mannes ging gestern abend ab, ehe ich etwas mitgeben konnte, und es ist dies ganz günstig. So denken sie daheim alle, wir sind ganz ruhig und sicher hier, und brauchen sich nicht zu ängstigen.

Der Pater Superior kam sehr elend gestern an, er soll sich hier etwas erholen. Mein Mann würde gern die Mission einziehen, doch würde er damit zu erkennen geben, daß er einen Überfall befürchtet, und um dies zu vermeiden, wird der Posten auf zehn Askaris verstärkt.

Gerade als wir fertig mit dem Abendbrot waren, kam Graf Fugger und brachte ausführliche Berichte. Von allen drei Etappen sind die Askaris hingemordet worden. Zu dem einen Askari sind drei Kerle gekommen, die ihm Essen zum Kauf anboten, sie haben ihn dann überfallen, gebunden und mit Stöcken totgeschlagen! Seine Frau mit Kind führten sie mit sich, doch ist die Frau wieder entflohen, und Graf Fugger, dem sie auf der Flucht begegnete, hat sie mit hergebracht. Von Magdalenenhöhe hat man noch nichts Näheres erfahren.

Bei Ruaha sollen die Leute von zwei Seiten gekommen sein, d. h. von den Utschungubergen und von Iringa! Inwieweit Mpangire beteiligt ist, kann man nicht ergründen, trotz Drohungen ist nichts aus diesem harten Waheheschädel heraus zu bekommen. Nur soviel steht fest, daß er und seine Brüder alles gewußt haben!

Jedenfalls hat Mpangire mit Quawa im Einverständnis gehandelt. Viele behaupten, er habe die Station auf Quawa hetzen wollen, um sie selbst dann leichter einzunehmen und die Europäer und Askaris niederzumetzeln.

Morgen wird Kriegsgericht gehalten, auch über Mpangires Brüder und zwei Msagiras. Sie haben hochverräterisch gehandelt und werden es wohl mit dem Leben büßen müssen. Sie haben ihr Quawablut nicht verleugnen können!