Als der Tag hereinbrach, war es mir eine Erlösung. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als mein Mann kam. Ich hörte Lärm und lief ihm schleunigst entgegen.

Er konnte mich nur flüchtig begrüßen, es genügte mir aber; war er doch heil zurück und seine Aufgabe gelungen! Alle Leute Mpangires, dieser selbst, seine Weiber und Brüder gefangen. Inwieweit Mpangire an der Verschwörung teilgenommen hat, ist noch nicht klar. Wenn er seinen Bruder Quawa nicht ausliefert, kann er nicht Sultan bleiben und kommt zur Küste. Wie weit die Rebellion um sich gegriffen und warum die Leute am Ruaha weggelaufen sind, ist noch nicht festzustellen! Jetzt gilt es, des Hauptschuldigen, Quawas, habhaft zu werden, aber wie und wo in dem großen Reich?

Mein Mann ruhte nur einige Stunden, dann wurde alles zu einem neuen Abmarsch für den Nachmittag fertig gemacht. Das war schnell getan, denn er nimmt fast nichts mit (trotzdem er auf unbestimmte Zeit fort bleibt), um nicht am schnellen Marschieren durch die Träger aufgehalten zu werden. Kein Bett, kein Zelt, keine Kochlast! Zwei Decken, ein Luftkissen, zwei Kochtöpfe, Messer, Gabel, Löffel, Teller, Tassen, ein Stück Zeug für die Nacht zum Überspannen, einen Stuhl und eine Last Essen! Und da war er noch ungehalten und sagte: „Früher habe ich oft noch viel weniger mitgehabt!“

Ich begleitete Tom den Berg herunter, aber es war schon ganz dunkel, und ich mußte zurück. Wenn ich nur nicht so schrecklich allein wäre!! Das Dach von unserem Haus ist fertig. Natürlich stockt überall die Arbeit. Spiegel, infolge des Perniziösen fast dienstuntauglich, ist nach Iringa und Stephan meinem Mann nachgegangen. Der beklagenswerte arme Baumeister ist immer noch krank, ich besuche ihn täglich.

Jetzt sind überall die Posten verstärkt, es sind zwei Hauptwachen. Ich bin ganz von Soldaten umgeben, auf der Veranda sogar schläft einer. So ist eigentlich nachts mehr Leben als am Tage, nur die Fundis arbeiten. Auf der Straße sehe ich nur zwei kleine Jungen mit dem Kreisel spielen.

Jetzt, wo mein Mann unterwegs ist, regnet es nicht nur am Tage, sondern auch fast die ganze Nacht hindurch.

17. Februar 1897, 10 Uhr abends.

Jetzt fängt es aber doch an, ungemütlich zu werden, vor allen Dingen, wo mein Mann nicht hier ist. Wo man hinhört, Aufruhr, Empörung! Heute nachmittag brachte mir Dr. Stierling die Nachricht, daß von Mage bis hierher alles in Aufregung sei, der Schmied habe viele neue Speere geschmiedet, und Quawa sei mit einer großen Heeresmacht nur 12 Stunden von der Station entfernt. Heute abend 8 Uhr rückte Dr. Stierling dahin ab.

Das Dorf ist in großer Aufregung, und die Kriegsegoma wird geschlagen, viele sind betrunken.

Ich ritt heute nach einer Tembe des Msagira Kimali Mali, doch war alles ausgeflogen, also wahrscheinlich auch bei Quawa.