Alles wurde heimlich vorbereitet, damit die Wahehe hier nicht die Leute in Iringa benachrichtigen könnten. Als alles so ziemlich bereit war, wurde nach Quawas angesehenstem Halbbruder Gunkihaka geschickt, der vor ein paar Tagen angekommen war, um sich hier anzubauen. Mein Mann sagte gleich: „Dem muß ich tüchtig auf die Finger sehen.“ Nun war es schlimmer, als wir dachten: er wollte uns nicht bloß ausspionieren, sondern im Rücken überfallen. Daß in der letzten Zeit etwa 30 Temben gebaut wurden, erschien uns jetzt auch in einem anderen Licht.

Graf Fugger aß mit uns, da das Essen in der Messe noch nicht fertig war und es so am wenigsten auffiel. Dann ging er, seine Sachen zu ordnen. Selbst mein Mann war diesmal des Ausgangs nicht gewiß! Dann kamen Gunkihaka und ein Msagira, der eben erst angekommen war. Mein Mann hatte das Gewehr vor sich hingelegt, fertig zum Schuß, wenn Gunkihaka entfliehen wollte. Einen Menschen so vor dem Gewehrlauf sitzen zu sehen, war — milde ausgedrückt — aufregend! Aber konnte nicht derselbe Mensch sich plötzlich auf meinen Mann stürzen, ehe er losdrücken konnte?

Jeder Nerv war in höchster Spannung. Alles war regungslos und totenstill, auf einer Seite des Zimmers saßen Farhenga und Sadalla, gegenüber die zwei Boys, die die Unglücksbotschaft gebracht hatten.

In der Veranda mein Mann, Gunkihaka und ich um einen Tisch, auf dem die Lampe brannte, an der Erde hockend der gefangene Msagira, dahinter zu den Seiten zwei Askaris.

Gunkihaka benahm sich musterhaft, aber trotz der zur Schau getragenen Ruhe vibrierte seine Stimme etwas, und über sein Gesicht ging hin und wieder ein leichtes Zucken. Er sollte über ihren Plan berichten und über das Geschehene, doch es war keine Silbe aus ihm heraus zu bekommen.

Da kommt der Effendi (schwarzer Offizier) mit einem Träger atemlos mit der schrecklichen Botschaft, die II. Etappe sei auch überfallen, nur ein Askari entkommen! Gleich wurden die zwei Wahehe gebunden und dem Grafen Fugger mitgegeben, sie sollten diesem die Quawafährte zeigen.

Wie sie so dastanden, ein Bild von Kraft. Gunkihaka einen Kopf größer als mein Mann, der Msagira ihn aber noch fast um einen Kopf überragend. Der eine jung mit dem großen Auge, das alle Quawaangehörigen haben, der andere mit kleinen listigen Augen! Sie wurden abgeführt.

Jetzt bricht auch mein Mann auf, die Askaris sind lautlos angetreten, und so ziehen sie ins Dunkle hinein.

Als sie ein Weilchen weg sind, wird Alarm geblasen, und die Askaris treten für Graf Fugger an. Während wir so dastehen, kommen verschiedene Nachrichten, daß am Fuß des Berges viele Leute zu sehen seien, die ein Kriegsgeheul ausstoßen! Übrigens hatte mein Mann auch schon so etwas verlauten hören und sagte mir, ich sollte die Koffer mit dem Wertvollsten auf die Veranda stellen, damit, wenn die Wahehe Feuer anlegten, wenigstens das Wertvollste gerettet werden könnte, aber er glaube nicht, daß sie die Station angreifen würden! Die Frage, ob wir uns alle wieder sehen würden, lag uns sehr nahe, ach, es war — nein, ich finde keine Worte für die Stimmung! Aber trotzdem sagte auch Graf Fugger: „Das ist doch Leben, hier weiß man, zu was der Soldat da ist.“ Als auch er weg war, ging ich beklommenen Herzens nach Hause. Schlafen konnte ich nicht!