Heute morgen war Mpangire mit Gefolge da; wie immer wurde er reichlich bewirtet, aber etwas kühler behandelt wie sonst, denn es ist ihm durchaus nicht fest zu trauen. Unter anderem bekam er eine Zimtsauce zu essen; plötzlich fragte er, was alles in der Sauce sei. Als ich ihm alles aufzählte und von Eiern sprach, erschrak er und legte sofort den Löffel weg. Bei den Wahehes ist es nicht Sitte, Eier zu essen.
Mein Mann schreibt eben ein Gesuch an Herrn v. Schele. Er hat bei den Teilnehmern der letzten Wahehe-Expedition den Gedanken angeregt, den Gefallenen der Zelewskischen Expedition ein Denkmal hier zu setzen; es sollen nur die Herren daran teilnehmen, die 1891 und 1894 gegen die Wahehe gekämpft haben. Während er noch schrieb, kam wieder ein Alarmbericht von den Missionaren, sie hätten einen „Haufen Quawaleute“ gefangen genommen und bäten um Verstärkung. Graf Fugger brach sofort auf, um nachzusehen.
11. Februar 1897.
Gestern abend, als wir vom Reiten kamen, schlichen sich dunkle Gestalten an meinen Mann heran. Es waren unsere Vertrauensmänner Farhenga, Lupambila (Sadalla fehlte), und um diese Zeit bedeutet das immer etwas Wichtiges. So war es denn auch: wieder Unruhen! Quawa hat einen Msagira, den mein Mann in Ubena eingesetzt hatte, getötet. Die Mageleute hielten zu Quawa und schickten ihm große Vorräte, die Ruahaleute seien alle weggelaufen.
Mein Mann wollte gleich nach Mage aufbrechen, doch da es schon zu spät war, um noch vor Sonnenaufgang dort anzukommen und sie zu überraschen, unterblieb es. Ich war sehr froh darüber, denn meinen Mann auf einem nächtlichen, zwölf Stunden langen strammen Marsch zu wissen, gehört nicht zu meinen Freuden. Morgen wird der Tschausch mit Askaris und Lupambila dahin gehen, das fällt weniger auf, als wenn ein Weißer kommt.
Unser zweiter Elefant ist gleichfalls trotz aller Mühe gestorben; wahrscheinlich verhungert, trotzdem er riesige Mengen Milch bekam. Die Kuhmilch mag wohl nicht genügend Nährkraft für einen Dickhäuterorganismus enthalten. Im „Brehm“ steht nichts über Aufzucht der Elefanten!
12. Februar 1897.
Was für eine qualvolle Nacht liegt hinter mir! Gestern nachmittag kam plötzlich mein Mann hereingestürzt und rief mir zu: „Bitte mach schnell Essen und zwei Decken zurecht“, dann war er auch schon verschwunden. Zwei Stunden zermarterte ich mein Gehirn, was bloß geschehen sein mochte! Jedenfalls wollte er irgendwohin abmarschieren.
Endlich kam er, und jetzt erfuhr ich, daß Quawa den Ruahaposten überfallen und die Askaris niedergemetzelt habe. Daraus kann man wohl auch schließen, daß Magdalenenhöhe und Perondo, so entsetzlich es auch ist, das gleiche erfahren haben. Tom wollte nun gleich nach Iringa, um Mpangires Nest auszuheben, während Graf Fugger nach den Etappen ging.