Frühmorgens kam ein Bote aus Iringa mit einer Alarmnachricht von den Patres: „Quawa sei in der Nähe!“ Tom schickte ihnen sofort Askaris zur Verstärkung des Postens, der unter diesen Umständen bedroht erschien. — Dann feierten wir den Geburtstag Sr. Majestät mit Parade, Salut von Kanonenschüssen und Ansprache meines Mannes an die Askaris, die ihrem obersten Kriegsherrn drei kräftige Hurras ausbrachten.
Nach der Parade tranken die Herren bei uns Wein, und abends waren wir im Kasino. —
Ich vergaß zu erwähnen, daß auch an unserem Hochzeitstage, am 4. Januar 1897, ein Alarmbrief kam. Leutnant Fonck hatte wieder ein Gefecht in Ubena gehabt! Überall gärt es noch, das Land ist eben noch lange nicht in Ruhe. Die meisten Frauen und Kinder Quawas sind in der Gewalt der Station.
Trotzdem von allen Seiten schlimme Nachrichten kommen, welche die gefährliche Nähe von Quawa und seinem Anhange melden, bewahrt mein Mann, auf dem die ganze Verantwortlichkeit ruht, eine beneidenswerte Ruhe.
30. Januar 1897.
Die beiden letzten Nächte habe ich sehr unruhig geschlafen, denn der Gedanke, einer von Quawas Anhängern könnte Feuer an unsere Hütte legen, ist doch zu ungemütlich. Man könnte ja bei dem Stroh auch nichts retten.
Wenn ich Schritte in der Nacht dicht bei uns höre, überläuft’s mich ganz kalt.
Gestern war der Pater da und hat von 5 bis 11 Uhr nachts uns von Quawa erzählt und mich eingegruselt. Mein Mann hatte darüber schon von anderer Seite gehört; also etwas Wahres muß daran sein. Er meinte, angreifen werde Quawa uns nicht, ohne daß es lange vorher bekannt würde. Aber Schabernack spielen, wie Feuer anlegen usw., das wäre schon möglich. Mpangire ist auch nicht ganz zu trauen, er kann sein echtes Waheheblut nicht verleugnen. Meinem Mann ist das gleichgültig, wenn Mpangire nur sonst treu ist und hier tüchtig das Regiment führt. Über Nacht sind jetzt viele Posten ausgestellt. Diese Nacht ging ich mit meinem Mann Wachen revidieren. Es war herrlich, der Himmel strahlte in seiner Sterne Pracht. Der südliche Himmel ist doch bei weitem schöner wie der zu Hause, es tat uns beinahe leid, als unser Rundgang zu Ende war; ich legte mich gleich nieder, aber mein Mann arbeitete die Nacht durch, denn er wird jetzt sehr von seiner Schlaflosigkeit geplagt.
Als unsere Gäste uns gestern verließen (wir hatten den Grafen Fugger angefeiert), machten wir noch einen Spaziergang. Plötzlich flammte Feuerschein im Dorfe auf, und als wir zurückeilten, fanden wir die Kompagnie bereits unterm Gewehr. Zum Glück brannte nur eine Tembe; Tom lief voraus, und als ich zur Feuerstelle kam, stand er bereits auf dem brennenden Dach und leitete mit Wort und Tat die Löscharbeit. So sehr ich um das Leben meines Mannes bangte, so war ich doch auch stolz, zu sehen, mit welcher Ruhe und Umsicht er und Graf Fugger immer da waren, wo die Gefahr am größten.
2. Februar 1897.