Eine große Volksmenge war auf dem Rennplatz noch versammelt, wo nach dem letzten Maultierrennen ein Wettrennen zwischen Boys, Fundis, Trägern und Askaris stattfand, der Erste am Platze konnte sich die großen hingeworfenen Preise (Tücher!) aufheben. Daran schloß sich Strickreißen. In die stärkere Partei wurden auch Tücher hinein geworfen, die derjenige bekam, der sie zuerst auffing, natürlich entstand dann oft ein großer Streit, der den Tüchern allerdings nicht zum besten gereichte.
Ein Gejauchze und Gejuble, daß einem ordentlich das Herz mit lachte! Es war wirklich alles so nett und vergnügt. So schön habe ich mich beim schönsten Ball nicht amüsiert. Den Höhepunkt erreichte aber das Jubeln, als mein Mann und ich Pesas unter die Menge warfen!
Die Sonne war bei alledem schon untergegangen, und die Dunkelheit nötigte uns, aufzubrechen. Zu Hause angelangt, ging ich nun an meine Arbeit, denn in 1½ Stunde sollten unsere Gäste schon kommen. Während der verschiedenen Veranstaltungen hatte ich mich manchmal unbemerkt davon geschlichen, um zu Hause nach dem Rechten zu sehen. Ich war daher sehr stolz, als beim Essen mein Tischnachbar zu mir sagte: „Wie haben Sie das alles möglich gemacht? Sie waren doch bei allem dabei?“
Im Garten hatten wir des Morgens einen Baum aufstellen lassen (im Zimmer war es zu gefährlich), der mit selbst fabrizierten Lichtern aus Honigwachs und Silberpapier geschmückt war. Vorn war eine Karte befestigt, auf der wir vorläufig schriftlich der Offiziersmesse ein Krocket stifteten. Die Tafel hatte ich mit Blumen ausgeschmückt, zwischendurch nach dem Essen gesehen und kaum hatte ich Zeit, mich in höchste Eleganz zu stürzen, als unsere Gäste auch schon eintrafen.
Es war ein fröhliches Mahl, und zum Schluß wurde der Christbaum angezündet. Da hat wohl jeder von uns seiner Lieben gedacht. Nach einer feierlichen Stille, die von der vorhergegangenen Lustigkeit abstach, stimmte einer der Herren „Stille Nacht, heilige Nacht“ an, das wir alle mitsangen. Weiß Gott, es war ergreifend, wie das heilige Lied von den Lippen der jungen Offiziere erklang; es dauerte ein Weilchen, ehe wir uns wieder in die Wirklichkeit zurückgefunden hatten; dann waren wir wieder vergnügt und lustig beisammen. Mit Champagner wurde das Wohl aller unserer Lieben ausgebracht; unter Gläserklingen folgte noch manch lustiges Lied.
Als das letzte Licht am Baum erloschen, setzten wir uns auf die Veranda, wo Kaffee, Kognak usw., der Marzipan und der Ringkuchen verzehrt wurden. Ich hatte in einen großen Napfkuchen einen Ring eingebacken, der Anlaß zu viel Scherz und Heiterkeit gab. Das Essen war gut geraten, und auch der mit allerhand Schwierigkeiten bereitete Marzipan fand Beifall; ich sah mit dem Stolze, der jeder Hausfrau verständlich sein wird, daß mein eigenhändig gebackener Marzipan bis aufs letzte Krümelchen aufgegessen wurde. Erst nach zwei Uhr nachts trennten wir uns.
Den Abend des 25. Dezember verbrachten wir im Kasino bei Illumination und „italienischer Nacht“ — wir wurden sogar mit Musik empfangen. Am 26. früh verabschiedeten sich die Offiziere, Pater Alphons und ich machten noch einige Gruppenaufnahmen, dann ein letztes Händeschütteln, die Abteilungen traten an, die Herren übernahmen ihre Kommandos, und jeder rückte nach seiner Garnison ab. — Der Abschied ging uns nahe, es waren alles so liebe prächtige Menschen, die uns da verließen. Gott gebe, daß uns allen ein frohes Wiedersehen beschieden!
Mein Mann hatte nun viel zu tun, besonders Berichte zu schreiben, und ich versuchte, meinen Haushalt wieder ins gewohnte Gleis zu bringen.
Den Silvesterabend verlebten wir mit Herrn v. Stocki und den Missionaren, die am 29. noch eingetroffen waren, nach deutscher Sitte. Am 2. Januar wurde Herr v. Stocki durch Graf Fugger abgelöst; auch die evangelischen und katholischen Missionare zogen wieder ab. Leutnant Stadlbaur schickte zwei Strauße; sie sind sehr zahm, spazieren in den Straßen herum und sind der Schrecken aller Weiber, die ihr Mehl zum Trocknen im Freien ausbreiten. Ein kleiner, etwa drei Tage alter Elefant konnte nicht am Leben erhalten werden; trotz der Unmengen von Milch, die wir ihm vermittelst eines aus Tuch hergestellten recht ansehnlichen „Lutschbeutels“ beibrachten, ging er nach acht Tagen ein.
27. Januar 1897. Kaisers Geburtstag.