Über 500 Mann Truppen in Paradeaufstellung, Offiziere und Unteroffiziere vor die Front gezogen, standen zum Empfange des neuen Herrn bereit, den mein Mann einzusetzen im Begriff stand. Endlich schlugen die Tambours an; die Herren, mit denen wir inzwischen geplaudert, eilten auf ihre Posten und wir Photographen an unsere Guckkästen. Jetzt kamen sie an. Rechts zur Seite Toms die stolze, stattliche Erscheinung des Mpangire, der seiner Würde bewußt einherschreitet — „jeder Zoll ein König“, ein echter Vertreter des Quawageschlechts. Vor der Front der Truppen angekommen, schwenkte die Musik nach dem Flügel ab, während Herr v. Kleist den Frontrapport erstattete. Dann hielt Tom eine kurze Ansprache an die Wahehe, in welcher er ihnen Mpangire als neuen Sultan bekannt gab; dem Sultan überreichte er als Zeichen seiner Herrschergewalt eine deutsche Flagge und ein von Sr. Majestät unserem Kaiser zu diesem Zwecke verliehenes prachtvolles Schwert. Die Truppen präsentierten, und ein vielhundertfaches Hurra! auf unsern Allerhöchsten Kriegsherrn, den Kaiser, weckte das Echo der Berge. Unter der umstehenden Volksmenge herrschte lautlose Stille; diese militärische Feierlichkeit machte augenscheinlich tiefen Eindruck, es war, als wenn die Masse erstarrt wäre, alles sah auf den Brennpunkt: meinen Mann und Mpangire. Zum Schluß wurden zugweise Salven und Schnellfeuer abgegeben. Dann ging es im Umzug in Sektionskolonnen durch die Stadt. Voran die Musik, dann mein Mann, Herr v. Kleist, Mpangire mit seinen Brüdern, ich, zum Schluß die Truppe, und genau so wie zu Haus bei solchen Gelegenheiten umgab uns die jetzt lärmende Volksmenge. Alles war aufs schönste mit Blumengewinden, Fahnen und Fähnchen geschmückt, jede Hütte war ausgeputzt.

Ich hatte mich bald von dem Zuge getrennt, um den Festzug aufzunehmen. Was ich laufen konnte, eilte ich an den Apparat; als der Zug ankam, knipste ich — aber alle Mühe war umsonst! Der Verschluß versagte! Glücklicherweise haben die andern gute Aufnahmen machen können.

Mittlerweile war es 11½ Uhr geworden, und jeder zog sich zurück, denn um 2½ Uhr war Preisschießen. Zu Hause machte ich eine Schüssel Konfekt und Marzipan, in der Mitte eine Ananas, zurecht, auf der eine Karte mit der Mitteilung steckte, daß wir der Unteroffiziersmesse ein Kegelspiel zu Weihnachten, vorläufig allerdings erst schriftlich, stifteten.

Feierliche Einsetzung des neuen Sultans Mpangire.
(Zu [S. 64].)

Lager des Sultans Kiwanga mit seinem Kontingente in Iringa.
(Zu [S. 126].)

Wir aßen zu Mittag, und um 2½ Uhr waren wir auf dem Schießplatz. Mein Mann schoß mir den ersten Preis, einen sehr schönen Elefantenzahn. Für die Einsätze und Reugelder waren Elefantenzähne als Preise angekauft worden. Es wurde mit Mauser-Gewehren geschossen. Die Unteroffiziere und die ersten schwarzen Dienstgrade schossen auch mit. Ich wurde mit dem Auftrag beglückt, die Preise zu verteilen.

Nach dem Preisschießen folgte ein Rennen. Beim Eselrennen gewann mein Esel, von Dr. Stierling geritten, den ersten Preis. Dann wurden fünf Ochsen am Spieße gebraten, ganz wie bei der Kaiserkrönung im alten römischen Reiche deutscher Nation, und vergnügter wie unsere Schwarzen hier können die „Frankfurt am Mainer“ auch nicht gewesen sein, wenn wir auch keine Springbrunnen mit rotem und weißem Weine sprudeln lassen konnten.