4. November 1896.
Heute traf vom Gouvernement die Genehmigung zu allem ein, was mein Mann bis jetzt getan hat und noch tun will. So wird alles in kürzester Zeit in schönster Ordnung sein. Auch Merere soll als Sultan in Ubena und Mpangire in Uhehe eingesetzt werden. Die Offiziere können mit den Kompagnien jeden Tag eintreffen. Ich schenkte heute Mpangire eine Flasche Gin und auf einem Teller ein schönes Stück Schinken. Den Teller wollte er natürlich auch behalten.
Drittes Kapitel.
Mpangires Sultanat.
24. Dezember 1896.
Das war ein wichtiger Tag für uns. Das deutsche Weihnachtsfest mußte vor der für unsere hiesigen Verhältnisse wenigstens großen Haupt- und Staatsaktion der feierlichen Einsetzung Mpangires an Bedeutung zurücktreten. Aber gefeiert haben wir unser erstes afrikanisches Weihnachten doch, und zwar recht feierlich, nachdem wir der Politik ihr Recht gegeben hatten.
Um 10 Uhr vormittags meldete der Feldwebel alles zur Einholung fertig, und mein Mann, in voller Gala natürlich, begab sich zu dem neuen Sultan. Inzwischen waren die Patres, der Doktor Stierling und ich auf den Festplatz gegangen, wo dicht gedrängt die Leute in schönsten, schneeweißen Gewändern, die Frauen in ihren besten Tüchern standen. Ein farbenprächtiges Bild, umgrenzt von saftigem Grün, die Berge als Hintergrund. Das blaue Himmelsgewölbe hat vorher wohl kaum auf eine so lebenslustige und heitere Volksmenge an dieser Stelle herabgeschaut. Die Stelle der „höchsten Zivilisation“ vertreten Leutnant Glaunings und meine photographischen Apparate, für welche die bevorstehende Feierlichkeit viel zu tun gab.