Von Quawa kamen zwei Leute, angeblich um sich zu unterwerfen; in Wahrheit waren es Spione, die unsere Station auskundschaften wollten! Sie verschwanden bald wieder, und Tom ließ sie durch Patrouillen verfolgen.

1. November 1896.

Der Gemüsegarten wird in der Nähe der Stelle angelegt, wo nach Grundwasser gebohrt wird. Wir sahen uns die Arbeit an, die, da wir keinen Erdbohrer haben, nur langsam fortschreitet.

Wir haben jetzt 1000 Stück Vieh, und das zu verwalten ist auch keine Kleinigkeit. Mein Mann will dem Volk den Reichtum nicht ganz entziehen, deshalb gibt er ein Drittel dem Sultan, ein Drittel dem Gouvernement und ein Drittel wird größeren Leuten zum Beaufsichtigen gegeben, dieselben bekommen jedes dritte Kalb als ihr Eigentum, das andere soll zur Küste geschickt werden.

Heute nachmittag ließ mein Mann Mpangire und seine zwei Halbbrüder Kapande und Sadangamenda zu uns kommen. Bei ersterem und letzterem hat man wirklich nicht das Gefühl, sich mit Schwarzen zu unterhalten.

Entsprechend dem im ganzen Volke hier in einem Grade ausgeprägten Selbstgefühl, wie man es sonst bei Negern kaum findet, treten auch die Mitglieder der Sultansfamilie mit ganz besonderem Selbstbewußtsein auf. Sie wissen sich gut zu unterhalten, aus ihren klugen Fragen sprechen Wißbegierde und Intelligenz, unsere europäischen Gewohnheiten suchen sie sich möglichst anzueignen. So saß Mpangire kürzlich bei uns im Zimmer; der Teppich reichte nicht bis zu seinem Platz, deshalb glaubte er nichts Unpassendes zu tun, wenn er seinen Zigarettenstummel einfach auf den Boden warf. Sadangamenda dagegen, dessen Stuhl auf dem Teppich stand, wagte nicht, diesen zu beschmutzen und war sichtlich aus großer Verlegenheit erlöst, als ich ihm einen Aschbecher reichte, auf den er seinen Stummel deponierte. Mpangire verfolgte dieses Manöver mit großer Aufmerksamkeit, und bald hatte er — von mir anscheinend unbeobachtet — seinen Zigarettenrest vom Boden aufgelesen und in den Aschbecher praktiziert. Es ist ein Vergnügen, die beiden intelligenten Burschen zu beobachten, dabei sind es hübsche Leute, an Gesicht sowohl wie an Wuchs. Auch an Galanterie fehlt es ihnen nicht; Mpangire und seine Brüder küssen mir stets die Hand, und heute hat mir ersterer als Beweis seiner besonderen Wertschätzung einen schönen — Ochsen verehrt. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

Die Kunst, dem Neger durch marmorne Unbeweglichkeit der Gesichtszüge zu imponieren, besonders wenn die unbewußte Komik unwiderstehlich zum Lachen reizt, habe ich immer noch nicht raus. Tom ist Meister darin. So mußte ich gestern einfach die Hütte verlassen, als ich mit ansah, wie ein Neger meinem Manne durchaus die Füße küssen wollte: der am Boden rutschende Neger, der Toms Füße zu haschen, und Tom, der sein Piedestal in Sicherheit zu bringen suchte, boten ein Bild, welchem meine Seelenruhe noch nicht gewachsen war.

3. November 1896.

Nach drei langen Monaten heute endlich die Post — Briefe aus der Heimat! Was das bedeutet, kann mir nur ein „Afrikaner“ nachfühlen. Auch die Boys erhielten Briefe, Mpischi z. B. einen von seiner Mama, d. h. seiner richtigen Mama, im Gegensatz zu der bei den Negern (auch den Frauen) beliebten angenommenen „Mama“, d. h. mütterlichen Freundin. Sie verwahrt dem Neger das verdiente Geld, macht seine Schauris, sorgt für seinen Anzug, kocht für ihn. Es gibt auch unter ihnen ganz junge „Mama’s“, die sind meistens recht kostspielig. Am liebsten würde mein Mann die Mamas an der Küste ganz abschaffen.