Außerdem kamen Meldungen von Leutnant Fonck, daß Kiwanga, Mbeyera, Lupembe abgefallen seien. Ebenso die Wangoni, die sich alle zum Kampf gegen uns rüsteten!

Solche Nachrichten wirken gerade nicht beruhigend, obwohl mein Mann es nicht für möglich hält, daß Kiwanga abgefallen sei, selbst auch von den anderen scheint es ihm zweifelhaft.

Es herrschte auch Ungewißheit, ob Merere dem Aufgebot hierher folgen und wieviel Leute er mitbringen würde; denn Leutnant Fonck hatte auch geschrieben, daß Merere große Angst vor Quawa habe. Gegen 4 Uhr traf aber Leutnant Braun ein und mit ihm Merere und 140 Mann. Nun muß er hier bleiben und noch mehr Wassangus kommen lassen.

Es ist ihm ein Teil einer Straße eingeräumt worden, in der er mit seinen Leuten wohnt. Jeden Tag wird ein Ochse für ihn geschlachtet, er bekommt noch Zucker, Salz, Pombe (Bier) und er und sein Bruder je 1 Rupie, seine Leute je 10 Pesa. Die Leute, die ihm ihre Temben überlassen mußten, bekommen 1 Rupie per Tag Entschädigung. Sie wollten nicht so recht, da hieß es aber, das sei eben Einquartierung, und in Uleia (Europa) wär’s auch nicht anders.

Für uns ist Merere ein billiger Gast, da er Kognak, Wein und Zigaretten verschmäht, weil er dann betrunken wird, wie er sagt. Dafür ißt er desto mehr Zucker. Des Nachmittags wiesen wir ihm sein Quartier an. Er geht stets mit dem Säbel, den mein Mann 1893 seinem Vater schenkte, oder läßt ihn von einem dazu bestimmten Boy hinter sich hertragen, desgleichen hat er einen besonderen Stuhlträger.

Er ist sich sehr seiner Würde bewußt, bemüht sich aber nicht, bessere Manieren sich anzugewöhnen, ebenso wie er nichts Europäisches essen mag. Betteln tut er großartig, mit unglaublicher Zähigkeit.

Einen Sultan Mpangire gibt es eben nur einmal — um den schönen Kerl tut mir’s jetzt noch herzlich leid.

Merere hat kein dummes Gesicht; er ist mittelgroß, etwa 36 Jahre alt. Sein Blick ist freundlich, und ich habe den Eindruck, als wenn er gegen seine Untertanen gütig und gerecht wäre und auch auf den Rat seiner Großen höre. Seine Askaris sind teils mit Gewehren, teils mit Speer und Schild bewaffnet, er hat Chargen unter ihnen.

11. März 1897.

Gestern abend waren die Herren bei uns zu Tisch. Tom ist so angegriffen und hat so viel zu arbeiten. Ich machte als Speise einen Servietten-Pudding, den ich seit Weißenrode nicht gegessen hatte, er fand großen Anklang. Ein friedlicher Zug kam in unsere kriegerische Stimmung hinein, und doch wäre beinahe das ganze Fest verdorben gewesen, wenn Tom sich nicht beherrscht hätte. Auf seinen Schultern liegt doch alles, die anderen konnten schon eher lustig sein.