Heute kamen die Gefangenen mit Hammermeister aus Bueni (Goritz) hier an, aber nur 17 Mann, auch wieder große kräftige Kerls, vor denen man sich fürchten konnte. So wild und wüst im Aussehen, wie man sich die Räuber vorstellt. Von den 25 Gefangenen waren sechs schon bei Goritz ausgebrochen, dann noch zwei bei Winkler; sie stecken natürlich hier in unserer Nähe im Pori.

Eine Freude! Von Tom Nachricht; er ist gestern bis zu Stephan, also zehn Stunden, durchmarschiert. Meinen Spaziergang machte ich durch die Stadt. Die verschiedensten Gomas (Spiele, Tänze) gesehen, denn Leute von Kilimatinde tanzen anders wie die von Tabora, an der Küste usw., auch die Weiber und Männer tanzen wiederum verschieden. Die beginnende Dunkelheit begünstigte mein Inkognito, war ich aber doch erkannt, dann beeilten sich die Tänzer, mir ihre schönsten Touren zu zeigen und mir zu huldigen, was mich natürlich möglichst schnell vertrieb. So in der Dunkelheit durch die breit angelegten Straßen zu wandern, die sehr sauber gehalten werden, ist recht interessant. Das ganze Leben spielt sich auf der Straße ab. Alles lustwandelt, tanzt oder sitzt auf der Veranda, denn die Wohnung dient nur zum Schlafen oder als Zuflucht bei Kälte. Die Türe steht stets offen, und da es auf der Straße dunkel ist (zu Laternen haben wir es noch nicht gebracht), heben sich die um das Feuer hockenden Gestalten wunderschön ab. Auf der Veranda sitzen sie auch bei einem kleinen Licht.

29. März 1897.

Rettich, Zwiebeln, Radieschen, Möhren, Gurken gesät.

30. März 1897.

Heute morgen kam Leutnant Braun. Ist gestern schon hier angekommen. Boten an meinen Mann geschickt, erfuhr es erst heute. Braun hatte mich nicht wenig erschreckt. Ich hatte gerade im Hühnerhaus usw. recht herumgewirtschaftet, eine große Schürze dazu umgebunden, als ich mich plötzlich Leutnant Braun gegenüber sah. So wie zu Hause sich extra zum Wirtschaften etwas Schlechtes anziehen, gibt es hier nicht, hier muß man immer „tajari“ sein, denn wie gesagt, man ist hier nicht abgeschlossen und kann immer jemandem begegnen. Nun, die Waschkleider sind eben sehr schön, wenn sauber, und auch leidlich hübsch, man kann wenigstens immer gesehen werden. Des Nachmittags empfing ich Merere, der mit seinem Gefolge angezogen kam, letzteres mußte vor der Tür auf seinen Herrscher warten; nur ihm und seinem ersten „Minister“ wurden die heiligen Pforten geöffnet. Jetzt sitzt er schon ganz schön auf einem Stuhl, er fordert wieder Tabak (er raucht schon Zigaretten), Streichhölzer, Zucker, Salz usw. Ich gab ihm von allem etwas. Ich zeigte ihm seine Bilder, die ich aufgenommen hatte, er war ganz aufgeregt darüber, und ich mußte ihm einige geben, damit er sie seinen Leuten zeigen könne; besonders imponierte es ihm, daß auch sein Reitochse mit auf dem Bilde war.

An der Weckuhr hatte er viel Vergnügen — ich mußte sie immer wieder wecken lassen, daß mir die Ohren gellten — aber noch mehr an einem großen Stammbuchbild, zwei stehende Negerkinder darstellend, das muß ich ihm jedesmal zeigen. Nach 1½ Stunde entließ ich ihn in Gnaden. Heute ist Merere mit 500 seiner Leute und 15 Askaris ohne Herrn Braun, der erkrankt ist, ausgezogen.

Eins will ich noch klarlegen. Als Mpangire noch lebte, war alles so schön; war seine Hinrichtung nicht voreilig? Ja, in der Tat, es war alles in schönster Ruhe, — aber es war die Ruhe vor dem Sturm. Er oder wir — sein Tod war die dringendste Notwendigkeit, sonst wäre unser Schicksal besiegelt gewesen. Das Quawageschlecht übt eine unglaubliche Gewalt auf das Volk aus, und solange Quawa lebt, werden wir nicht zur Ruhe kommen.

Heute hatte ich zu Bett gelegen, infolgedessen glaubten meine Damen, ich würde den Hühnerstall nicht revidieren: statt 31 Hühner fand ich nur 20 dort. Jetzt müssen sie die fehlenden noch suchen. Auch hier heißt es: „Wenn die Katze nicht zu Hause ist, tanzen die Mäuse auf Tisch und Bänken.“ Der Mpischi ließ das Essen von den kleinen Boys machen, und ich bekam erst um 4 Uhr Mittagbrot; Mabruki schlug sich mit der Wache, so daß er an die Kette gekommen ist; das sind eben die kleinen afrikanischen Dienstbotenleiden. Meine drei Mädels machen es noch am besten, die habe ich schon so weit, daß sie ganz unglücklich sind und weinen, wenn sie etwas schlecht gemacht haben. Wenn ich sie schelte, sind sie schon sehr betrübt. Muhigu fängt sogar schon an die Empfindliche zu spielen, wenn ich sie schelte, früher machte nur Kofi (Ohrfeige) einigen Eindruck. Auf diesen Erfolg bin ich sehr stolz. Natürlich treten mir dadurch die Kinder viel näher, denn sie sind im Wesen ebenso wie die Kinder zu Hause. Auch spielen sie jetzt schon verschiedene Spiele, die ich ihnen gezeigt.