Geringeri, 20. Januar 1900.

Die erste verheiratete Europäerin, die ich seit vier Jahren sah. Leutnant v. Trotha, auf dem Marsche nach dem Kivu-See, und Sergeant Heß, dieser mit seiner Frau auf dem Wege nach Tabora, kamen heute hier an; wir bewirteten sie bei uns; sie ist die erste Unteroffiziersfrau, die nach einer der Stationen im Innern geht, eine stattliche, große Erscheinung, blond, von energischem Wesen; sie scheint mir für die Verhältnisse im Innern sehr gut geeignet, und das Beispiel einer rührigen, praktischen Hausfrau wird bei dem bekannten Nachahmungstriebe der Neger, die gern sich nach den Gebräuchen der höherstehenden weißen Rasse richten, sicher gute Früchte tragen.

Am 21. waren wir in Kigongo, am 22. Ruhetag.

Am 24. Januar bei Msenga, besonders heißer Marschtag, aber auch besonders merkwürdig; wir erreichten den ersten Kilometerstein, 80 km von Dar-es-Salaam!! Da waren wir also glücklich wieder an der Grenze der Zivilisation angelangt; ich glaubte, meinen Augen nicht trauen zu dürfen, als sich plötzlich dieses altgewohnte Zeichen deutscher Kultur an unserer Karawanenstraße erhob. Wie wir als Kinder oft auf der Landstraße die Schritte von einem Meilenstein zum anderen gezählt hatten, so kontrollierten wir nun hier, mit der Uhr in der Hand, die Zeit, die wir für jeden Kilometer brauchten; das Ergebnis war erfreulich, wir machten den Kilometer durchschnittlich in 10 Minuten.

25. Januar 1900.

Nach fünfstündigem Marsche wohltuende Ruhe. Wir besuchten einen unserer früheren Unteroffiziere, Sabatke, der sich hier angesiedelt hat, und freuten uns der hübschen Häuslichkeit, in der eine deutsche Hausfrau waltet. Das Heim, das sich diese jungen Ansiedler geschaffen, blitzt und glänzt von Sauberkeit, unter schattigen Bäumen Tische und Stühle mit zierlichen weißen Decken, und ringsum das lebhafte Treiben und Lärmen des gutbesetzten Geflügelhofes mit Hühnern, Enten und Tauben, auch die Esel gaben ihr Teil zu dem ländlichen Konzert. Nach einem letzten Wegetrunk nahmen wir Abschied von unseren Landsleuten und kehrten nach dem Lagerplatz zurück, wo wir unsere Leute in freudiger Aufregung bei großen Mengen von Reis fanden, an denen sie sich für die Entbehrungen auf dem Marsche schadlos hielten. Es war doch oft bei ihnen recht knapp zugegangen, doch nun winkt ja das Ende: wir sind an der Küste.

Kisserawe, 26. Januar 1900.

Auf der Evangelischen Mission. — Wie schön ist es hier, ein irdisches Paradies — und doch lauert der Tod ringsum in dem Schatten der Bäume, noch hat das Fieber hier seine Stätte.

Man kann den Opfermut der Missionare nicht genug bewundern, mit dem sie den schier aussichtslosen Kampf gegen den unsichtbaren Feind aufnehmen, jeder Fuß breit Landes wird schwer erkämpft, Grabsteine bezeichnen die Etappenstraße, auf der die Kultur ihren Einzug hält. Auf der Station herrscht reges Leben, eine Welt im kleinen hat sich hier gebildet, überall wird gearbeitet, denn die Väter führen ihre schwarzen Pflegebefohlenen recht eigentlich im Geiste des „Bete und arbeite“ dem Christentum zu. Tischler und Drechsler, Schmiede und Zimmerleute und was sonst noch alles für Handwerker beim Bau und der Entwicklung der Station gebraucht werden, haben sie sich aus dem spröden, aber bei verständnisvoller Behandlung doch bildungsfähigen schwarzen Menschenmaterial herausgemodelt. Ein schönes Haus mit Türen und Fenstern zeugt von dem erzieherischen Wirken unserer evangelischen Mission; der Segen der Arbeit ruht sichtbar auf ihrem Tun. Nachdem uns die Kinder noch mit einigen deutschen Gesängen erfreut, nahmen wir Abschied von den gastfreundlichen Missionaren und gingen nach unserem Lagerplatze bei Pugu, der Versuchsstation für Viehzucht, die Gouverneur Liebert angelegt hat. Dort trafen wir Herrn Leopold, der aus Dar-es-Salaam zur Besichtigung der Station gekommen war, und verlebten einen fröhlichen Abend.