«Nein!» rief Henri unvorsichtig, denn die Worte beängstigten ihn, als hätte er sie schon jetzt mit eigenem Mund gesprochen. Wie lange noch, und er mußte sie wirklich von sich geben — noch mehr: sie ausführen.

«Das Echo!» mahnte der Kopf und fuhr sogleich fort mit der täuschenden, höchst beunruhigenden Stimme. «Oder wage ich im Unglück lieber gleich den Hals?» Dies lateinisch. «Das sind höchstens Ratschläge von Dichtern!» berichtigte die Stimme sich selbst im abweisenden Ton. «Vetter Franz, was willst du? Mich soll man nur leben lassen.»

«Das hast du auch gehört?» fragte der echte Henri. «Einem Irrwisch wie dem — kann ich mich doch nicht in die Hand begeben.»

«Nur er hat sich in die meine begeben», schloß die nachgeahmte Stimme. «Und er ist nicht der einzige, der mit mir fliehen und das Land aufrufen will. Er schreit umher, daß er nichts gewußt hat von der Bartholomäusnacht. Die anderen schweigen, aber ihre Furcht ist darum nicht geringer. Warum soll ich dem Echo alle nennen, die mir Freundschaft und Beistand angeboten haben. Nur zwei Namen spreche ich aus, denn ihre Träger verdienen keine Schonung.»

«Es sind —» Henri drängte atemlos seine eigene Stimme, weiterzusprechen.

«Es sind», sagte sie, «die Herren de Nançay und de Caussens. Sie fürchten, die Königinmutter würde sie töten lassen, denn Werkzeuge werden oft beseitigt. Die beiden Schacher sind für mich zu haben, es ist nur eine Frage des Geldes.»

«Spem pretion non emo. Ich kaufe mir keine Hoffnung in bar», erwiderte der echte Henri; aber auch der falsche hatte eine klassische Antwort bereit. «Die Wahrheit muß einfach und kunstlos reden.» Er erläuterte: «Die verständlichste Sprache für solche Leute führen Geldsäcke, die springen und klingen. Ich war nicht untätig und habe den Betrag zusammen. Vor Tag wird er ausgehändigt auf der Brücke vor dem Tor. Dann öffnet es sich weit, sie lassen mich hindurch. Sie kommen sogar mit mir, und genug andere schließen sich an. Ich werde stark sein, mich hält niemand auf.»

Der echte Henri fühlte durchaus: ‹Ich kaufe mir keine Hoffnung in bar.›

Aber er sah auch: zu vieles war schon unternommen und vorbereitet, zu viele waren eingeweiht.

Er sprach daher «Ja» und «Ich will», wobei er sich bemühte, damit es weder unsicher noch verspätet klänge.