«Was weiß ich?» wiederholte Henri. Dies hatte der Edelmann vorhin gesagt: jetzt wußte er es nicht mehr.

«Trinken wir!» verlangte er statt dessen. «An der Schwelle des Alters sollte man in jeder Beziehung vorsichtig sein; manchmal aber verstehe ich einen Bekannten meiner Bekannten, der sich, schon ein wenig älter, seine Frau aussuchte an einem Ort, wo jeder sie für Geld bekommt. Damit hatte er die unterste Stufe erreicht, und die ist die sicherste.»

«Trinken wir!» rief Henri und lachte. «Sie sind ein tapferer Mann!» rief er und war ernst. Er meinte das Bekenntnis des Edelmannes über die Religion. Der Edelmann aber verstand es anders.

«Ja, auch ich bin Soldat geworden. Ich wollte meine Männlichkeit erproben. Erkenne dich selbst! Allein die Selbsterkenntnis ist wert, uns zu beschäftigen. Wer versteht denn auch nur seinen Körper? Ich bin müßig, träge und habe schwere Hände; aber ich weiß Bescheid über meine Organe und daher auch über meine Seele, die frei ist und niemandem untersteht. Trinken wir!»

Das taten sie noch eine ganze Weile. Henri stimmte mit ein, als sein Begleiter, den Becher hoch, einen Vers des Horaz sang.

«An Kraft, an Aussehn und an Witz,

An Tugend, Herkunft und Besitz:

Die Ersten mögen mich als Letzten zählen,

Wenn nur die Letzten mich zum Ersten wählen!»

Damit standen sie auf, halfen einander, über das Geröll zu kriechen, und im Freien hielt immer noch einer den anderen beim Arm. Die Geister des Weines verflogen nur allmählich. Henri sagte, wieder in Sturm und Braus: «Aber ich bin und bleibe ein Gefangener!»